#Autofasten2019: Das Zwischenfazit

Drei Wochen lang sind unsere Autofaster Ralf und Angellica nun schon ohne eigenes Auto unterwegs. Halbzeit im Experiment #Autofasten2019. Wie ist der Umstieg auf ÖPNV und Carsharing für die beiden bisher gelaufen? Vermissen sie ihr Auto oder denken sie sogar darüber nach, es für immer abzuschaffen?

Angellica: „Mein Alltag ist stressfreier“

Angellica, 28, pendelt täglich zwischen Offenbach und Frankfurt

„Bereits seit Aschermittwoch nehme ich nun an dem Experiment Autofasten 2019 teil und fahre täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Selbstverständlich habe ich positive aber auch negative Erfahrungen gesammelt.

Insgesamt fühle ich mich gut. Es fühlt sich besser an, morgens in die Bahn als ins Auto zu steigen. Meinen Kaffee in Ruhe zu trinken und mich dabei in mein Buch zu vertiefen. Keinen Blick auf den Verkehr zu werfen und mich auf nichts außer meiner Geschichte zu konzentrieren.

Mein gesamter Alltag ist stressfreier und nicht so nervenaufreibend.

Viele haben vor dem Projekt zu mir gesagt, dass ich es mit Sicherheit nicht als stressfrei ansehen werde, wenn es eine Störung gibt oder mal wieder Züge ausfallen. Ich würde lügen, wenn ich nun sagen würde, dass dies noch nicht passiert sei.

Neulich befanden sich Personen im Gleisbett. Nachdem sich herausstellte, dass weder Tram noch Busse oder andere öffentliche Verkehrsmittel fahren, begab ich mich auf die Suche nach einem book-n-drive-Auto und wurde hierbei in Offenbach leider enttäuscht.

Also blieb mir nach Feierabend nichts anderes übrig, als zu warten und zu warten. Ich habe mir in dieser Situation so sehr mein Auto herbei gewünscht.

Doch wie oft saß ich schon im Stau und habe mir dabei gewünscht nicht im Auto zu sitzen? Definitiv öfter als mir mein Auto herbei zu wünschen!

Viele werden denken, dass ich in diesen wenigen Wochen keine richtige Einschätzung treffen kann. Das mag sein… Vielleicht habe ich Glück auf meiner Strecke, vielleicht fällt es mir leicht, weil ich viel Auswahl bei den Verbindungen habe. Aber vielleicht kommt es einfach nicht auf die eine negative Erfahrung an, sondern auf die guten ruhigen Momente vor der Arbeit und nach der Arbeit, wenn ich mich einfach fallen lassen kann und heimgefahren werde.“

Ralf: „Den ÖPNV zu nutzen, ist gar kein Problem“

Ralf, 50, transportiert sogar seine Instrumente in der Bahn

„Mittlerweile haben wir uns ganz gut an das Autofasten gewöhnt. Den ÖPNV zu nutzen, ist gar kein Problem. Alle Abfahrtszeiten sind ja bekannt und überall einsehbar.

Das Verbundsystem hat Verbesserungspotential. So greifen manche Übergänge an Haltestellen und zwischen den angrenzenden Verkehrsnetzen, zum Beispiel nach Bad Vilbel, nicht nahtlos genug ineinander.

Das oft gehörte Argument der Verspätung und Ausfälle trifft um ein Vielfaches mehr auf auf den motorisierten Individualverkehr mit seinen unsäglichen Staus zu.

Die Wege zu den Stationen und die Umsteigezeiten muss man mitkalkulieren.

Ich finde, das bisschen Verlassen der eigenen Komfortzone ist ein durchaus zu leistender Beitrag. Denn: Autos in der Stadt rauben Raum und Luft und gefährden Menschen.“

Elisa Hörst
e.hoerst@vgf-ffm.de
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