24 Stunden auf der Schiene: Mit dem Fahrdienst der VGF unterwegs in Frankfurt

Im heutigen Beitrag nehmen wir euch mit auf die Reise – die Reise einer Straßenbahn der Linie 11, die Frankfurt von Ost nach West durchmisst, und die prima zeigt, wie abwechslungsreich, vielfältig und verantwortungsvoll der Job ist, den unsere Kolleginnen und Kollegen im Fahrdienst täglich stemmen.

 

02:42

Kaya prüft seinen fahrbaren Untersatz. Der ist schnell, leise und wiegt 40 Tonnen. Deshalb sollten die Bremsen funktionieren. Dass dies der Fall ist, sieht Kaya daran, dass die Bahn Bremssand auswirft, der links und rechts frei fliegen kann. Außerdem prüft er Folgendes: Klingeln beide Fahrerstände, funktionieren alle Türen, Lichter, Blinker? Sind die Spiegel in Ordnung? In der Regel ist alles bestens, denn die Bahn kommt nach der nächtlichen Pause aus der Werkstatt. Aber sicher ist sicher! Dann kann die Fahrt losgehen.

Heute ist Kaya auf der Linie 11 unterwegs. Sie führt durch die ganze Stadt, von Höchst über den Hauptbahnhof nach Fechenheim und wieder zurück. Kaya ist einer von rund 800 Mitarbeitenden im Fahrdienst. Früher war der Beruf des Straßenbahnfahrers körperlich anstrengend, weil die alten Bahnen mit Handrädern und viel Wucht geschaltet werden mussten. Heute werden die Bahnen mit Hilfe eines Befehlsgebers elektronisch gesteuert, sodass bei uns auch immer mehr Frauen diesen Beruf ausüben.

02:52

Jetzt geht’s los. Auf der ersten Fahrt Richtung Zuckschwerdtstraße sammeln Kaya und „seine“ Linie 11 noch viele Nachtschwärmer ein. Schon bei der zweiten Runde zwischen Höchst und Fechenheim fahren rund 100 Fahrgäste mit, die zu ihren Arbeitsplätzen wollen. Während der nächsten drei Runden wird die Bahn stets besonders gut gefüllt sein. Und wirklich leer wird es erst wieder in den späteren Abendstunden.

06:18

Kaya hat den halben Arbeitstag mit vielen Herausforderungen gemeistert. Weil sich die Bahnen die Straße mit Autos, Fahrradfahrern und Fußgängern teilen, muss Kaya stets die anderen Verkehrsteilnehmer im Blick haben: Autos wenden mitten auf der Straße und übersehen dabei die Bahn, Fußgänger starren in ihr Handy, Fahrradfahrer sind mit Ohrstöpseln unterwegs und hören nicht mal das Klingeln seiner Bahn …

07:18

Unterschiedliche Ereignisse bringen Kayas Fahrplan durcheinander. Falschparker blockieren seine Strecke – dann wartet er ein Weilchen, lässt besonders eilige Fahrgäste gesichert aussteigen und ruft via Leitstelle und Polizei den Abschleppdienst. Die zahlreichen Baustellen in der Stadt führen ebenfalls zu Umleitungen und damit zu Verspätungen. Darüber ärgern sich nicht nur die Fahrgäste, sondern auch die Fahrer. Aber so ist das in einer Großstadt: Manchmal verzögert sich die Weiterfahrt durch den Einsatz eines Rettungsfahrzeugs. Oder, wie hier, durch Lieferverkehr.

07:48

Fahrerwechsel am Hauptbahnhof. Kaya steigt um auf die Linie 17, während Nicki die Linie 11 übernimmt. Sie wird ihren Dienst heute ausschließlich auf dieser Bahn leisten. Auch bei ihr ist andauernde und ungeteilte Aufmerksamkeit gefordert. Jeden Tag muss sie mehrmals verschärft bremsen, um Schlimmes zu verhindern.

11:03

Was so alles  passiert:

Manche Fahrgäste sind vergesslich und entdecken erst nach dem Aussteigen, dass ihnen ein Fahrrad fehlt. Oder ein Kind. Manche Fahrgäste steigen aus und laufen direkt vor die Bahn. Manchmal bricht ein Fahrgast in der Bahn mit gesundheitlichen Problemen zusammen. Fahrer oder Fahrerin sind in diesen Fällen erste Anlaufstelle bzw. diejenigen, die reagieren müssen. Das macht den Job so spannend und abwechslungsreich.

13:35

Nicki hilft einer Frau im Rollstuhl dabei, in die Bahn zu kommen. In ihrer Ausbildung hat sie gelernt, in solchen Situationen souverän, freundlich und hilfsbereit zu reagieren.

17:18

Nicki hat Feierabend, Klaus übernimmt die Linie 11. Wieder findet der Wechsel am Hauptbahnhof statt. Wieder – oder noch immer – fahren zahlreiche Fahrgäste mit, diesmal in die jeweils andere Richtung: Nach getaner Arbeit wollen die Menschen nach Hause. Auch andere begehrte Orte liegen zwischen den beiden Wohnquartieren Höchst und Fechenheim an der Strecke der Linie 11: das Gallusviertel, der Hauptbahnhof, das Theater, der Römer, der Ostbahnhof … Viele Ziele, die sehr unterschiedliche Menschen aus ganz verschiedenen Gründen anziehen.

18:32

Der Feierabendverkehr ist herausfordernd, insbesondere da, wo sich Bahnen und Autos den Straßenraum teilen. Doch Klaus ist wie alle unsere Mitarbeitenden im Fahrdienst geübt im vorausschauenden Fahren. Auch im größten Trubel, wie hier im Gallus, behält er einen kühlen Kopf. Und immer die Übersicht.

20:53

Langsam wird es auch am Willy-Brandt-Platz ruhiger: Die Besucher von Oper und Schauspiel haben ihre Plätze in der Bahn gegen bequeme Zuschauersessel getauscht. Erst zwischen 22:00 und 00:00 Uhr in der Nacht wird es hier noch einmal richtig quirlig – wenn sich die Fahrgäste nach einem unterhaltsamen Abend entspannt in der Bahn in ihre Sitze sinken lassen, um sicher und bequem nach Hause kutschiert zu werden.

 

23:41

Von Fechenheim kommend, wird Klaus gleich entlang der Hanauer Landstraße weitere Nachtschwärmer einsammeln, die dort in einem der vielen Clubs oder in einer der angesagten Bars mit Freunden gefeiert haben. Auch sie werden froh sein, nun nicht mehr selbst fahren zu müssen, sondern gemeinsam in der Schienenlimousine nach Hause zu kommen.

01:35

Die Bahn fährt zurück ins Depot. Ein langer Tag neigt sich dem Ende entgegen. Im Betriebshof Gutleut läuft Klaus letztmalig innen durch den Zug und sucht nach Fundsachen und einmal um den Zug herum, um ihn auf Beschädigungen zu überprüfen. Außerdem schreibt er eine Wagenmeldung, wenn etwas repariert werden muss: ein Blinker, ein Lämpchen am Schaltpult, eine Türstörung, ein Spiegel, eine Sicherung … Um all diese Dinge kümmern sich jetzt die Mitarbeitenden der Werkstatt. Außerdem füllen sie den Bremssand und das Scheibenwischwasser auf, sie kehren den Zug durch und reinigen das Cockpit. Denn nur gut eine Stunde später muss die Bahn ja schon wieder frisch sein für den nächsten Tag – der erneut um 02:42 Uhr beginnt.

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den schön geschriebenen Bericht. Ich habe diese Strecke erstmals 1980 kennengelernt. Seit 1983 wohne ich in Fechenheim direkt an der Endstation der Linie 11. Sie ist mein täglicher Begleiter und mir sehr ans Herz gewachsen. Auch wenn sie leider nicht den besten Ruf genießt. Die Fahrerinnen und Fahrer machen ihren Job gut und vertrauensvoll, nicht nur auf der Linie 11. VGF = Viele gute Fahrer!!!

  2. Dem kann ich nur zustimmen. Geboren im Ostend, aufgewachsen und zu Schule gegangen in Fechenheim kenne ich die Linie, die früher auch 14 und 10 genannt wurde seit ich ein Steppke war.
    Jetzt als Rentner freue ich mich jeden Monat auf die Fahrt vom Hauptbahnhof zum Osthafenplatz, wo es noch immer die beste Rindswurst Deutschlands gibt. Und das VGF = „Viele Gute Fahrer“ heist, weis ich schon lange. Manch ein Eisenbahnunternehmen könnte sich an Ihren Mitarbeitern ein Beispiel nehmen. Danke VGF!

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