Frankfurter Fassenacht: Alle feiern mit!

Moment… das Motto der VGF lautet doch anders! Stimmt: „Alle fahren mit!“ Aber in der berüchtigten „5. Jahreszeit“ gehen auch bei Frankfurts Verkehrsunternehmen die Uhren bisweilen etwas anders. Zum Glück nur im übertragenen Sinne.

Die Fastnachts-Bahn

Die VGF ist in der Frankfurter Fastnacht engagiert und präsent. Engagiert als jahrelanger Partner des Großen Rats der Karnevalvereine, präsent auf den beiden Umzügen in der Innenstadt und Heddernheim. Und neuerdings gilt das auch umgekehrt, sind Großer Rat und Vereine nämlich bei der VGF präsent – oder besser: auf ihr. Und zwar mit einer Werbung auf einem Straßenbahn-Wagen, der am 11. im 11. im Betriebshof Ost karnevalistisch vorgestellt wurde. Der Wagen mit der höchst passenden Nummer 11 wird die Beklebung über Aschermittwoch hinaus tragen. Wenn also sonst alles vorbei ist, die Fastnachts-Bahn nicht. Hier die diesjährigen Prinzenpaare bei der Präsentation der närrischen Tram am 11.11. im Betriebshof:

Die Seiten des „R“-Wagens zieren die Wappen der vielen Frankfurter Karnevalvereine und die Kontur eines Narren, unter den Fenstern der Fahrerkabine prangt die Narrenkappe. Über den seitlichen Fenstern wiederum ist das Unternehmens-Logo in den Spruch „VGF und Großer Rat bringen Frankfurts Fassenacht in Fahrt!“ angebracht – eben nicht das diesjährige Motto, denn dann hätte der Wagen am 14. Februar neutralisiert werden müssen. Er soll aber die Verbindung der VGF zur Frankfurter Fastnacht über die laufende Kampagne hinaus in der Stadt zeigen.

Und die ist in der Tat eng, auch ohne immer offiziell zu sein. Denn viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Unternehmens sind in Karnevalvereinen aktiv, verbringen viel Zeit mit der ehrenamtlichen Arbeit und investieren eine Menge, um die Vereine „am Laufen“ zu halten. Aktiv sind VGF-ler zum Beispiel bei den „Weißen Mützen“, den „Goldsteiner Schlippcher“ und bei den „Fidelen Eckenheimern“, um stellvertretend für die mehr als 60 Frankfurter Korporationen nur drei zu nennen.

Die Prinzenpaare

Das Engagement der VGF in der Frankfurter Fastnacht reicht lange zurück. 2003 und 2013 war die VGF das „Prinzliche Haus“ der jeweiligen Kampagne und stellte somit zweimal das Prinzenpaar. 2003 lautete das Motto für Peter II. und Regina I: „Frankfurts Fastnacht ist der Hit – wir feiern alle kräftig mit!“ In Anlehnung an den über Jahre bewährten Slogan der VGF „Alle Fahren mit!“ Die beiden sind auf dem Foto während des Frankfurter Umzugs zu sehen:

Auch Thomas I. und Sabine II. hatten zehn Jahre später ein Motto, das – ein wenig versteckt – auf die VGF Bezug nahm: „Frankfurts Fastnacht ist auf Draht – mit Helau kommt sie in Fahrt.“ „In Fahrt“ ist nämlich der Titel der Mitarbeiterzeitung der VGF.

Das Senatsordensfest

Engagiert ist die VGF zum Beispiel als Ausrichter und Gastgeber des Senatsordensfests, traditionell am Freitag vor dem Karnevals-Wochenende. Der Abend im Casino, andere nennen den Saal an der Kurt-Schumacher-Straße schnöde „Kantine“, ist einer der Sessions-Höhepunkte für den Großen Rat, der hier seine aktuellen Orden vergibt, Ehrungen vornimmt oder neue Senatoren in seinem Kreis begrüßt. Er ist auch Veranstalter und lädt ein, das Senatsordensfest ist also keine Publikums- oder Mitarbeiter-Veranstaltung – was manche Kolleginnen und Kollegen sicherlich bedauern. Aber immerhin: VGF-Fastnachter werden von der Pressestelle auf die Gästeliste „geschmuggelt“. Natürlich mit Kenntnis des Großen Rats!

Es handelt sich übrigens – trotz eines karnevalistischen Programms mit Tänzen und Garden – um eine festliche Abendveranstaltung, keine Kostüm-Sitzung, was bei der VGF verschiedentlich schon moniert wurde. Wesentlich zünftiger geht es beim Besuch der großen Prunk-Sitzung unserer Kollegen von den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) im Kristallsaal der Messe Köln zu. Veranstalter ist der dortige Museumsverein, die „Pänz vun d’r Päädsbahn 1956 e.V.“ Aber das ist ein rein privater Ausflug, der sich unter VGF-Fastnachtern zu einem „Jour Fixe“ gemausert hat und inzwischen fester Bestandteil im karnevalistischen Kalender vieler Kollegen ist.

Die Umzüge

Am auffälligsten ist die VGF aber ganz bestimmt am Karnevals-Sonntag und –Dienstag. Seit vielen Jahren beteiligt sich die VGF nämlich an den beiden traditionellen Umzügen in der Stadt, dem großen Frankfurter Festumzug am Karnevals-Sonntag und dem Umzug in „Klaa Paris“ am folgenden Veilchen-Dienstag.

Auf den beiden Umzügen 2003, die VGF war erstmals „Prinzliches Haus“, hatte das Unternehmen einen echten Exoten am Start. In jeder Hinsicht: eine Pappmaché-Adaption des im Schwanheimer Verkehrsmuseum stehenden Pferdebahnwagens. Notabene von 1872 an die erste Straßenbahn in Frankfurt, wenn auch – wie 121 Jahre später wieder – gezogen von zwei Rössern. Stilecht. Aber Pferde? Nichts gegen zwei PS, 1872 waren die super. Allerdings war die VGF mit diesem Vehikel – das noch dazu nicht für die Ewigkeit gebaut war – nicht wirklich selbständig unterwegs.

Das galt auch für den Nachfolger 2004, ein großer Sattelschlepper mit Auflieger. Auf ihm war aus Sperrholz und Pappe ein „S“-Straßenbahnwagen nachgebildet. Fraglos ein imposantes Gefährt, das im Frankfurter Umzug für Aufsehen gesorgt hat, aber einen Nachteil hatte: Der Auflieger brauchte eine Zugmaschine, die genauso wenig wie die Pferde zum „Fuhrpark“ des Unternehmens gehörte, die VGF war also immer noch nicht unabhängig. Gerade für die Organisatoren der Umzüge in der Pressestelle ein nervendes Restrisiko: Kommt der Laster nun pünktlich oder nicht? Er kam immer rechtzeitig.

Vor allem aber: Der Sattelschlepper mit der Pappmaché-Bahn konnte nicht in Heddernheim mitfahren. Die Gassen von „Klaa Paris“ waren und sind zu eng für so große Motiv-Wagen.

Die Mutter aller Karnevals-Wagen

Das galt auch für den Vor-Vorgänger, die Mutter aller VGF-Karnevals-Wagen, von der wir leider kein Bild im Archiv gefunden haben. Denn vor der Jahrtausend-Wende war das Unternehmen ein paar Jahre mit einem Motiv-Wagen der ganz anderen Art dabei: mit Zugmaschine und Spezialtransporter, auf dem ein Ebbel-Ex-Anhänger stand. Ein Ungetüm, aber originell, aus den offenen Türen wurden dann die „Kamelle“ geworfen. Aufwand und Kosten – der Ebbel-Ex mußte jeweils mit einem Kran auf- und abgeladen werden – rechtfertigten aber auf Dauer eine solche Zugbeteiligung nicht, so daß 2004 schließlich zum ersten Mal ein „S“-Wagen im Faschings-Umzug auftauchte. Das paßte insofern auch gut, als die VGF den ersten Straßenbahn-Wagen dieses Typs im vorangegangenen Herbst, im Oktober 2003, im alten Bornheimer Depot vorgestellt hatte.

Der Fastnachts-Bus

Aber Pappe ist vergänglich, das galt dann auch für den närrischen „S“-Wagen. Erstmals 2008 nutzte die VGF für beide Umzüge deshalb ein echtes Unikat: einen umgebauten Bus. Das zwölf Meter lange Fahrzeug ist ein ehemaliger und regulär zugelassener Linienbus, den die damalige Buswerkstatt der VGF im Rebstock, heute die Bus-Schwestergesellschaft ICB, in einen Karnevals-Motivwagen verwandelt hat, der deutschlandweit einzigartig sein dürfte – zumindest haben wir auf den Umzügen in Köln, Düsseldorf und Mainz nichts Vergleichbares gesehen. Und wie man sieht, mit einer Zielanzeige der besonderen Art:

Der Bus – in jeder Session schön dekoriert – bekam nicht nur eine Beschallungsanlage, sondern auch einen „Ausguck“ im Dach. Die Fensterscheiben können temporär entfernt werden, die Sitze im vorderen Teil wurden ausgebaut, „Kamelle“ sind in umfunktionierten Blumenkästen unter den bei Umzügen offenen Fenstern untergebracht. Auch deren Befestigung ist „Marke Eigenbau“. Alles im Bus ist von vorne bis hinten durchdacht und funktional. Besonderer Clou: der Bus hat nicht nur einen Kühlschrank, sondern auch eine Toilette, lästige „Pinkelpausen“ müssen wir nicht machen. Das wäre auch eine höchst unwillkommene Unterbrechung des karnevalistischen Betriebs – man frage nur die Truppen, die im Zug hinter einem laufen! Oder den Zugmarschall, der in „Klaa Paris“ ein strenges Regime führt.

Mit dem Bus konnten wir auch wieder im Heddernheimer Umzug mitfahren. Doch auch mit diesem Gefährt sind die dortigen Gassen und Straßenecken, beim Umzug durch tausende Narren noch verengt, die möglichst „nah dran“ sein wollen, für den Fahrer eine echte Herausforderung. Langjährige Erfahrung am Steuer eines solchen Busses ist da wünschenswert, zum Glück hat die VGF genauso jemandem im Unternehmen. Auf dem folgenden Foto ist der Kollege bei der Arbeit zu sehen. Ganz wichtig in „Klaa Paris“: die Wagen-Engel, die an den beiden Achsen darauf achten, daß niemand „unter die Räder“ kommt. Hier hilft unser Ordnungsdienst:

Subaru-vista-blaue „Kamelle“

Jedes Jahr verlost die Unternehmenskommunikation die Plätze auf dem Bus unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – was nicht immer ganz leicht ist. Denn da viele ja in Vereinen aktiv sind, geht die Beteiligung an deren Umzugs-Abordnungen natürlich vor. Trotzdem sind die rund 25 Plätze jedes Jahr besetzt, wobei die VGF in ihren Farben gebrandetes Wurfmaterial – in Köln verallgemeinernd als „Kamelle“ bezeichnet, was tatsächlich alles (!) umfassen kann – stellt. Jedes Jahr versuchen wir mindestens zwei Artikel auf dem Wagen zu haben, wobei die Auswahlkriterien interessant sind: Ist der eine Artikel süß, sollte der andere herzhaft sein. Erfolgreiche „Kamelle“, z.B. die Schokolinsen, werden auch gerne wiederholt beschafft. Die Verpackung – natürlich im wiedererkennbaren VGF-Design – sollte keine festen Kanten haben, gleichzeitig aber gute Flugeigenschaften mitbringen.

Ebenso stellt die VGF Snacks, Getränke und die passende Musik. Wer den Bus der VGF sieht – und vor allem auch hört – wird eine gewisse kölsche Affinität bei der Veranstaltung nicht leugnen können. Wir tun das schon mal gar nicht.

Wer sich jetzt fragt, ob die VGF für so etwas Geld ausgeben soll, dem sei gesagt: aus Marketing-Gesichtspunkten unbedingt ja! Der Frankfurter Umzug hat 350.000 und mehr Besucher, der in Heddernheim nochmal annähernd 200.000. Hier kann sich die VGF als der Verkehrsdienstleister präsentieren – aus der Stadt und für ihre Einwohner. Die Fastnacht ist eine gute Gelegenheit, um einen Slogan unserer Schwester Mainova mit Leben zu füllen: „Wir sind von hier!“ Eben kein anonymer Kutscher, sondern ein städtisches, in der Stadt und der Stadtgesellschaft verwurzeltes Unternehmen.

VGF – Viele Gutgelaunte Fastnachter!

 

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1 Kommentar

  1. Danke für diesen schönen Bericht. Helau

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