Drittplatzierte bei der Tram EM-Teneriffa: Interview mit Thilo Korbien und Sandra Kuhn

Liebe Sandra, lieber Thilo. Erstmal herzlichen Glückwunsch zum dritten Platz bei der Tram EM. Sowie Glückwunsch an Thilo Korbien: Du bist der zweitbeste Tramfahrer Europas! Ein starkes Team für Frankfurt.

 

Wie fühlt es sich an bei der Tram EM so gut abgeschnitten zu haben?

Thilo: Wir sind mächtig stolz auf diese Platzierung. Es ist ein tolles Gefühl bei dieser EM einen so guten dritten Platz erreicht zu haben.

Sandra: Wir sind nicht mit der Erwartung angetreten, dass wir auf dem Siegertreppchen landen. Unser Ziel war Spaß haben, andere Kollegen kennen zu lernen und im Mittelfeld zu landen. *lacht*

 

Schon beim internen VGF-Vorentscheid habt ihr beide als Bestplatzierte euch einen Namen gemacht. Habt mit diesem Sieg vorab gerechnet?

Sandra: Da war unser Ziel ganz einfach: Nicht Letzter werden. Wir sind eigentlich ziemlich entspannt an die Sache rangegangen, ohne verbissen zu sein.

 

Wann wurde es euch so richtig bewusst, dass die Tram EM näher rückt und es Ruhm und Ehre geht?

Thilo: Am 1. Juni beim letzten Trainingstag im BB Gutleut. Dort war die Presse eingeladen, um Interviews mit uns zu führen und Fotos zu machen.

Sandra: Am besten fand ich die Reporterin von „Bild-Online“. Die hielt uns das Mikro direkt vor die Nase. Die junge Dame hat richtig mitgefiebert. Man ist so einen Hype um sich nicht gewohnt, von so vielen Menschen interviewt zu werden ist schon eine besondere und vor allem neue Situation. Da kam einer in meine Bahn und fragte micht, „ob ich nicht den Sitz drehen könnte“? Dabei kann man unsere Sitze gar nicht drehen.

 

Und am nächsten Tag ging es mit dem Flieger direkt nach Teneriffa?!

Sandra: (Veto) Es ging zuerst von Frankfurt nach Madrid. Dort stiegen wir in den Flieger nach Teneriffa. Wir kamen um 16:50 Uhr Ortszeit an. Unsere Betreuer Claudia Geist und Patrick Keil (Fahrlehrer bei der VGF) haben uns am Flughafen direkt in Empfang genommen.

 

Dort angekommen habt ihr euch direkt ans „freie Training“ gemacht?

Sandra: Zimmer zugewiesen bekommen, Essen gegangen und relaxt.

Thilo: Schnell umgezogen und direkt in die Stadt marschiert, um den Abend zu genießen.

 

Am Samstag ging es dann für euch richtig los. Wie habt ihr den ersten richtigen Tag auf der sonnigen Insel verbracht?

Thilo: Nach dem Frühstück ging es in den hoteleigenen Konferenzraum. Der Chef von „Metro Tenerife“ hat sich den Teams vorgestellt und den Ablauf für das Wochenende präsentiert. Die einzelnen Teams wurden mit einer kurzen Videobotschaft vorgestellt.

Sandra: Auch wir mussten bei unserem Video aufstehen und uns der Menge der zeigen. Dabei bekamen wir ordentlich Applaus. Besonders von den Kollegen der LVB aus Leipzig.

Thilo: Im Anschluss wurde uns unser Dolmetscher Juan vorgestellt. Der war für beide Tage gebucht und hat uns von morgens bis abends begleitet. Jedes Team bekam einen Dolmetscher zur Seite gestellt.

Von dort aus ging es dann mit einem kurzen Fußweg zur Straßenbahn und mit dieser ins Depot.

 

Im Depot habt ihr dann die Straßenbahntypen von „Metro Tenerife“ kennen gelernt. Durftet ihr auch selbst mit einem Wagen fahren?

Thilo: Wir durften erstmal im Depot hin und herfahren inklusive einer Notbremsung. Das war das erste Kennenlernen der Alstom Straßenbahnen. Nach dem Mittagessen durfte jeder Teilnehmer etwa 10 Minuten auf dem Linienweg fahren. Unter Anweisung eines Ausbilders.

Sandra: Es war so schön unter Palmen zu fahren. Kein Individualverkehr, der die Tram behindert. Was mich völlig begeistert hat: 400 Euro Strafe fürs Fahren ohne Fahrschein! Da gibt es absolut niemanden, der ohne Ticket unterwegs ist.

Thilo: Der Rest des Nachmittags stand uns zur freien Verfügung. Stadtbummel in der Innenstadt von Santa Cruz.

 

Wie habt ihr den Abend vor dem Wettbewerb verbracht?

Sandra: Um 20 Uhr trafen wir uns vor dem Hotel und brachen gemeinsam zum Dinner-Empfang im Casino am Hafen auf. Die Veranstaltung war sehr offiziell, Abendgarderobe erwünscht. Vor dem Dinner wurden die Startplatzierungen gezogen.

Thilo: Wir waren haben Startplatz 12 zugeteilt bekommen.

Sandra: Hat uns super gefreut, dass wir nicht die Ersten waren.

Thilo: In einer netten Runde haben wir nach dem Empfang, mit unseren Leipziger Kollegen, den Abend ausklingen lassen.

 

Ab wann stieg am Wettbewerbstag bei euch der Adrenalinspiegel so richtig an?

Sandra: Beim Frühstück schon. Mir war ganz übel geworden vor Aufregung.

Thilo: Um 8:30 Uhr ging es vom Hotel zum Plaza del Europa. Dort wurden wir von einem Orchester begrüßt. Die haben uns bis zum Wettkampfort mit Musik begleitet.

 

Wo fand der Wettkampf statt?

Sandra: Das war ein abgesperrter Streckenabschnitt. Nach dem offiziellen Teil gab es ein Geburtstagsständchen für die Metro Tenerife. Denn diese wurde an diesem Tag genau zehn Jahre alt.

 

Am Sonntag ging es für euch richtig los. Was waren die Disziplinen?

Sandra: Wir bestimmten, wer den ersten Durchgang fährt. Und das war Thilo.

Thilo: Eine der Disziplinen war es die Bahn auf 30 km/h, mit abgeklebtem Tacho, zu beschleunigen. So musste ich nach Gefühl fahren.

Das sogenannte „Zielbremsen“ haben wir leider mit 0 von 500 möglichen Punkten abgeschlossen.

Doch dann steigerten wir uns enorm: Sandra musste eine Pappfigur aufstellen, so nah wie möglich an die Bahn heran, diese durfte beim Vorbeifahren aber nicht berührt werden. Und das auch noch in einer Kurve.

Danach mussten wir an einem bestimmten Punkt mit der vierten Tür halten. Dabei hatten wir keine Kontrolle über die Außenkameras. Da habe ich die Höchstpunktzahl von 500 Punkten erreicht.

Die nächste Disziplin war es mit der 32,5 m langen Bahn am Heck punktgenau anzuhalten. Da gab es 400 von 500 möglichen Punkten.

Wir mussten dann direkt die Bahn wechseln und stiegen in die gegenüberstehende Bahn zum „Tram-Bowling.“ Dabei musste mit der Bahn ein großer Ball angestoßen werden, mit dem Kegel umgeworfen werden mussten. Die Bahn durfte die Kegel dabei logischerweise nicht berühren.

Letzte Disziplin: Ein Sprint von der Bahn zur Ziellinie. Wir sprangen aus der Bahn heraus und schafften es in 3 Minuten und 37 Sekunden. Damit haben wir nach dem ersten Durchgang geführt. So konnten wir uns etwas ausruhen, da wir im zweiten Durchgang als letztes Team an der Reihe waren.

 

Sandra: Claudia hat mich in der Pause zwischen den Durchgängen sehr beruhigt, auch Patrick schien nach außen entspannt, war aber sichtbar genauso nervös wie ich.

Im zweiten Durchgang bin ich dann gefahren, die Disziplinen waren die gleichen, wie zuvor. Am Ende holten wir den dritten Platz in der Gesamtteamwertung.

Thilo: Wir waren happy!

Sandra: Das war so ein geiles Gefühl. Wir hatten Gänsehaut und sind richtig am Jubeln gewesen.

 

Die Siegerehrung fand in einem großen Rahmen statt. Jetzt seid ihr beide unter Europas besten Tramfahrern. Wie fühlt sich das an?

Thilo: Mir kamen kurzzeitig die Tränen. Die Pokale überreichten der Geschäftsführer der Metro Tenerife, der Bürgermeister der Stadt Santa Cruz und der Verkehrsminister der Kanaren.  Dabei wurde ich als zweitbester, männlicher Tramfahrer Europas geehrt.

Sandra: Außerdem haben wir Interviews für das Kanadische Fernsehen, sowie für das Spanische Fernsehen gegeben. Das alles mit Schulenglisch. *lacht*.

Danach ging es zurück ins Hotel, umziehen. Zum Abschiedsdinner ging es in ein Grand Hotel und wir feierten nach dem Abendessen mit Leipziger und Wiener Kollegen bis in die Morgenstunden. Richtig geschlafen wurde erst im Flugzeug.

Thilo: Am nächsten Morgen ging es um kurz vor acht zum Flughafen, wieder mit Flug über Madrid, leider mit starken Turbolenzen. Wir durften das Gefühl erleben, wie ein Flugzeug wieder durchstartet. Wir sind dennoch heil in Frankfurt gelandet.

Sandra: Mit zwei Pokalen im Gepäck, vielen Eindrücken von einer tollen, aber anstrengenden Kurzreise.

 

Wie viel Spaß die Tram-EM gemacht hat, ist auch auf YouTube zu sehen:

 

 

 

Ein herzliches Dankeschön gilt der VGF, die einen Startplatz bei der Tram EM für uns ergattern konnte. Unseren Coach Patrick Keil, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand, sowie Claudia Geist die mit uns gefiebert und gelitten hat sowie allen Kollegen für ihr Daumendrücken und uns die besten Wünsche mit auf den Weg gaben. Ebenso gilt unser Dank dem Martin Dathe-Schäfer, der uns interviewt hat.

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