„Ich liebe Ersatzverkehr“ – Ausbildung am Fahrgastinformationsplatz

Die Betriebsleitstelle wird nicht nur moderner, sondern setzt zukünftig auf noch mehr Qualität in der Fahrgastinformation. Zwölf neue Kollegen, die „FIPs“ (Fahrgastinformationsplatz-Mitarbeiter), werden seit März dieses Jahres in einer zweimonatigen Ausbildung am Fahrgastinfoplatz geschult. Ich, Martin Dathe-Schäfer, Schienenbahnfahrer und Fahrtrainer, bin dabei. In meiner Gruppe, ausgebildet wird jeweils in einem Vierer-Team, sind wir eine Frau und drei Männer: Alexandra Pinkhaus, Frank Rühl, Adam Lubiniecki und ich. In der Ausbildung lernen wir, unsere Fahrgäste optimal zu informieren.

Dazu zählen die Lauftexte auf den DFI-Anzeigern in den U-Bahn-Stationen und an den Straßenbahn- und Bus-Haltestellen sowie verständliche, akustische Ansagen bei Störungen und Großereignissen. Außerdem sind wir im Außendienst vor Ort unterwegs: an Stationen, bei Störungen und zur Überprüfung der Ersatzverkehre. Damit entlasten wir die Fahrdienstleiter. Haben die Kollegen bisher den Infoplatz mitbetreut, sind wir es nun, die diese Aufgabe übernehmen. Somit haben die Fahrdienstleiter mehr Kapazitäten für Störungsbehebungen. Der Infoplatz wird künftig von zwei Mitarbeitenden gleichzeitig pro Schicht betreut: Einer betreut den Oberflächenverkehr (Bus und Straßenbahn), der andere ist für den Stadtbahnbereich zuständig.


Infoplatz, was ist das?

Am Fahrgastinfoplatz erhalten wir Meldungen über Bekanntmachungen von Fahrdienstleitern sowie vom Disponenten. Man hat die Möglichkeit, die Anzeiger zu überwachen und im Störungsfall direkt Meldungen auf diese zu schreiben. Außerdem können wir akustische Informationen geben, die nicht nur bei sehgeschädigten Fahrgästen auf große Akzeptanz stoßen.

Darüber hinaus ist es wichtig, bei einer Störung die Fahrgäste auf Umleitungen oder einen angeforderten Ersatzverkehr hinzuweisen. Andreas Pfenning zeigte uns, wie man eine Störung bearbeitet und – anhand von Beispielen – wie eine gute Fahrgastinfo überhaupt aussieht. Dann durften wir die ersten Fahrgastinfos selbst machen. Das sah erstmal leichter aus als gedacht. Denn gerade im gestörten Abschnitt musste man schauen, ob ein SEV (Ersatzverkehr mit Taxen) angefordert werden muss. Oder ob es parallel verkehrende Busse oder Bahnen gibt, auf die verwiesen werden kann. Dafür bedarf es jedoch der Linienkunde.

Mit dem Funkwagen unterwegs durch Frankfurt

Linienkunde funktioniert am besten, wenn man die Strecke selbst abfährt. Da wir alle zuvor als Schienenbahnfahrer tätig waren, verstehen sich die Linienkenntnisse auf der Schiene von selbst. Anders beim Bus. Mit einem Funkwagen ging es deshalb quer durch das Stadtgebiet. Wir folgten dem Linienweg der Buslinie 36, der Route der Linie 73 und der zweitlängsten Buslinie Frankfurts, dem 29er. So bekamen wir ein Gefühl für die Strecke und lernten, welche anderen Busse, U-Bahnen oder Straßenbahnen wo queren. Das ist wichtig, um die Fahrgäste im Störungsfall auf Alternativen zu verweisen.


Ein
Schweizer Computerprogramm lässt unsere Köpfe glühen

Die zweite Woche begann mit einer Schulung an einer Computersoftware, die unsere Gehirnzellen mächtig glühen ließ. Die von der Schweizer Firma Trapeze entwickelte Software ITCS, ein rechnergestütztes Betriebsleitsystem, soll unter anderem helfen, die Fahrgastinfo so bequem wie möglich zu gestalten.

Von Perlenschnüren und Linienspezialtexten

An sogenannten Perlschnüren kann man sich jede Linie vom Start- bis zum Endpunkt auf den Bildschirm holen. So hat man einen Gesamtüberblick. Tritt eine Störung auf, gilt es erst einmal festzustellen, in welchem Streckenabschnitt keine Züge mehr fahren können. Danach schauen wir, ob in dem Abschnitt Züge „gefangen“ sind, also den Bereich nicht mehr verlassen können. Diese Züge werden aus dem Fahrplan genommen und verschwinden zusätzlich von den DFI-Anzeigern.

In diesem Bereich kann man die Anzeiger mit einem Lauftext mit der nötigen Information beschriften. Beispiel: Bei einem Falschparker in Niederrad kann die Linie 21 nicht mehr zum Stadion fahren. Auf den Anzeigern ab „Nied Kirche“ bzw. „Mönchhofstraße“ läuft dann die Info: „Falschparker Linie 21! Züge fahren nicht zwischen Niederräder Landstr. und Stadion. Bitte die Buslinie 61 nutzen.“ Man muss außerdem bedenken, dass die oberirdischen DFI-Anzeiger (außer Stadtbahn) nur 130 Zeichen wiedergeben können. Hier muss man also kurz und knapp schreiben.

Mit dem Modul „Funk an Fahrgast“ werden die Fahrgäste bereits bei Abfahrt an bestimmten Haltestellen akustisch in der Bahn auf die Störung hingewiesen. Dabei kann man auch die Fahrgäste informieren, die mit den parallel verkehrenden Linien unterwegs sind. Die Durchsage kann gespeichert werden, so dass die Durchsage in jedem Zug bei Abfahrt ganz automatisch abläuft.

„LUMINO“ und „DYFIS“ weisen uns den Weg

Nachdem wir uns die ersten Grundkenntnisse angeeignet hatten, lernten wir ein weiteres Programm mit dem wohlklingenden Namen „DYFIS“ von der Firma „LUMINO“ kennen. Mit der Bedieneroberfläche kann man die Anzeiger der Stadtbahn im gesamten Stadtgebiet ansteuern. Nur wenige Klicks braucht man, um in einer Maske eine Info einzugeben. Dazu gibt es auch schon vorgefertigte Texte, welche bei einer passenden Störung aufgespielt werden können. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.


„SICLIMAT“
oder wie bekomme ich den kompletten Überblick

Mit dem Programm „SICLIMAT X“ ist die gesamte Kameraüberwachung in den Stationen möglich. Dennoch kann dieses Programm mehr, als Livebilder auf den Bildschirm zu holen; es steuert zusätzlich alle wichtigen Anlagen von Licht und Kraft. Für unsere Fahrgastinfo sind vor allem die Kamerabilder aus den Stationen wichtig. Dadurch können wir direkt sehen, was vor Ort los ist. Außerdem können wir direkt akustische Informationen auf den Bahnsteig geben.

 

Mein Fazit der ersten vier Wochen der Ausbildung: Meine drei Kollegen und ich sind Feuer und Flamme für die neuen Aufgaben. Es wird im zweiten, praktischen Teil der Ausbildung jetzt richtig rund gehen. Das Gelernte wird im Dienst nun angewendet und unser Können auf die Probe gestellt!

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