Das Gutleutviertel: Ein Stadtteilportrait zwischen Industrie und Moderne

Namensgeber Gutleuthof

Frankfurt am Main im 13. Jahrhundert, die Lepra ist ausgebrochen. Viele Menschen haben sich angesteckt und müssen behandelt werden. Aber keiner weiss wohin mit den vielen Kranken. Eine Bruderschaft, die sich zum Ziel setzte Menschen mit Lepra zu helfen und sie zu heilen, gründete damals ein Spital: Den Gutleuthof. Das erste Mal im Jahre 1283 urkundlich erwähnt, lag dieser westlich der heutigen Main-Neckar Eisenbahnbrücke. Mithilfe einer ehemaligen Grindelquelle, der damals eine heilende Wirkung zugeschrieben wurde, ist der Gutleuthof über die Stadtmauern hinweg bekannt geworden. Ab Ende des 16. Jahrhunders hatte der Gutleuthof als Spital ausgedient, da in Europa die Leprakrankheit nun medizinisch behandelbar war. Jetzt diente der Hof vorrübergehend als Gefängnis, um die Revolutionäre des Fettmilch-Aufstands festzusetzen. Johann Wolfang von Goethe beschrieb in „Dichtung und Wahrheit“ den ungehemmten Trubel auf den Weiden vor dem Hof. Es wurden Feste gefeiert, die „mit mancher Lust und Ungezogenheit“ einhergingen. Im Jahr 1801 vernichtete ein Feuer fast den kompletten Hof, der in der Folgezeit noch wechselnde Besitzer hatte. 1978 wurden die Reste des Gutleuthofs abgerissen und die heutige „Werner-von-Siemens-Berufsschule“ auf dem Gelände errichtet. Die wechselvolle Geschichte des Gutleuthofs gab dem heutigen Gutleutviertel seinen Namen. Ab Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Viertel auf der Fläche zwischen Bahnhofsviertel, Hauptbahnhof, Mainufer und Griesheim. Das heutige Gutleutviertel hat mit dem alten Hof nichts mehr gemein, außer dem Namen. Heute bestimmen andere Faktoren das Viertel: Es ist geprägt von Menschen unterschiedlicher Nationen, breiten Strassen, aber auch kleinen Erholungsoasen, von einem Kohle- und Heizkraftwerk, dem Westhafenquartier, der Eisenbahn und natürlich dem Depot der Strassenbahn. In diesem Artikel möchte ich Sie mitnehmen auf eine Reise in das Gutleut, indem es mehr zu entdecken gibt, als es der erste Blick vermuten lässt.

Foto: Jens Deck
Foto: Jens Deck

Jens Deck erzählt die Geschichte des Betriebshofs

Mitten im Gutleutviertel und etwas versteckt hinter dem Heiz- und Kohlekraftwerk befindet sich der Betriebshof Gutleut. Dort arbeitet Jens Deck, der als Sachbearbeiter des Betriebs Schiene nicht nur die Dienstpläne koordiniert, sondern auch die Geschichte des Betriebshofs kennt. Jens Deck berichtet in diesem Artikel über die Geschehnisse im Betriebshof ab Ende des ersten Weltkriegs bis in die heutige Zeit. Seine Ausführungen stellt er in diesem wie folgt dar: „Der Betriebshof Gutleut wurde 1915, mitten im ersten Weltkrieg, eröffnet. Damals nutze man die Hallen anders, als vorgesehen, sie wurden der Kriegsleder-Aktengesellschaft überlassen. Nach Ende des ersten Weltkriegs nutzte man die Hallen, in ihrer Funktion, als Strassenbahndepot. Im zweiten Weltkrieg wurde das Depot durch Luftangriffe stark zerstört. Der Wiederaufbau der Hallenkonstruktion begann kurz danach, ist aber erst im Jahr 1964 vollendet worden.“ Jens Deck erwähnt zusätzlich, dass der Betriebshof bis 1959 auch über die Gutleutstraße und Heilbronner Straße erreicht werden konnte. „Nach Stilllegung der Strecke durch die Gutleutstraße entfiel diese zweite Betriebshofzufahrt. Zeitweise konnte von den Gleisen 28 und 29 direkt auf die Strassenbahnstrecke in der Gutleutstraße gefahren werden. Die Züge welche den Betriebshof über die Mannheimer Straße erreichten, wechselten kurz vor der Einmündung Heilbronner Straße über einen Spitzgleiswechsel auf das Gegengleis und bogen dann nach links in die Heilbronner Straße ein. Von dort wurde dann rückwärts in den Betriebshof auf die entsprechenden Hallengleise zurückgestoßen. Eine Wendemöglichkeit innerhalb des Betriebshofs gab es nicht.“

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Rangieren mit Augenmaß

Damals war das Rangieren von Zügen im Betriebshof noch eine Aufgabe, die der Fahrer mit Augenmaß absolvieren musste. Vereinfacht wurde diese Prozedur in den 1970er Jahren. Ein Umbau innerhalb des Hofes sorgte für Entspannung. Jens Deck, der bestens mit der Geschichte des Betriebshofs vertraut ist, erläutert die Neuerungen: „Von 1976 bis 1979 erfolgte ein grundlegender Umbau des Betriebshofs Gutleut. Das Freigleis 0 entfiel und durch Änderung der Gleisgeometrie blieben noch 27 Hallengleise übrig. Dies war nötig, um alle Gleise mit P-Wagen (fahren heute noch auf der U5) befahren zu können. Die Rückwand des Betriebshofs wurde heraus gebrochen. Dadurch konnten die Gleise 24 – 27 durch eine Schleifenfahrt mit den Gleisen 8 – 10 (Werkstatttrakt) und den Gleisen 4 und 5 als Umfahrungsgleise verbunden werden. So konnten ab 1979 auch die umständlichen Rangiermanöver durch die Heilbronner Straße entfallen. Ausschiebende Einrichtungswagen durchfuhren den Betriebshof fortan mit einer Schleifenfahrt, um dann rückwärts auf die entsprechenden Abstellgleise zurück zu fahren. Zweirichtungswagen befahren bis heute einen Spitzgleiswechsel, unmittelbar vor dem Betriebshof, und erreichen so direkt das für sie bestimmte Gleis.

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315 Fahrer täglich im Einsatz

Nicht nur Strassenbahnen fanden im Betriebshof Gutleut ihr Zuhause, ab 1986 auch einige Garnituren Pt-Wagen von der C-Strecke (U6 und U7). Diese wurden zum Teil im Betriebshof Bornheim, sowie im Betriebshof Gutleut abgestellt. Jens Deck berichtet mir folgendermassen: „Als 1986 die Stadtbahnstrecke C eröffnet wurde, waren im Betriebshof Gutleut auch U-Bahnzüge stationiert. In den ersten Jahren ausschließlich Pt-Wagen, ab 1998 kamen dann auch „U2“-Fahrzeuge dort zur Abstellung. Nach Eröffnung des Betriebshofs Ost im Jahr 2003 wurden in Gutleut wiederum nur noch Straßenbahnen abgestellt. Seit dem kommen U-Bahn Wagen nur noch nach Gutleut, wenn sie auf der dort vorhandenen Unterflurdrehbank bearbeitet werden müssen.“ Das Depot Gutleut kann auf eine über 100 jährige Geschichte zurückblicken. Von Alterserscheinungen ist noch keine Spur zu sehen. Der Trubel am Morgen, wenn die Strassenbahnen aus den Hallen ausfahren ist immer noch allgegenwärtig. Jens Deck erzählt mir, dass „derzeit 72 Strassenbahnzüge den Betriebshof an Werktagen morgens verlassen. Vom Betriebshof aus fahren die Linien 11, 12, 14, 15, 16, 17, 19 und 21 auf die Strecke. Eingesetzt werden die Wagentypen R und S. Auch die betriebsfähigen Museumsfahrzeuge der Typen L – O sowie die Züge des Ebbelwei-Express sind im Betriebshof Gutleut beheimatet und kommen von dort für Sonderverkehre zum Einsatz. Dies wird aktuell durch 315 Fahrerinnen und Fahrer sichergestellt. Seit 1990 ist auch die Betriebsfahrschule in Gutleut ansässig. Neue Fahranwärter werden hier theoretisch ausgebildet und machen von hier aus auch ihre ersten Fahrschulfahrten.“ In den letzten Monaten wurde es auch in Gutleut moderner. Durch eine Erweiterung der Abstellkapazitäten auf den Gleisen 1 bis 3 entstand Platz für vier zusätzliche Strassenbahnwagen. Zusätzlich wurden die alten Hallentore zur Werkstatt durch neue ersetzt.

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Stadtoasen mit Blick aufs Gerippte

Straßenbahnen spielen in Gutleut eine grosse Rolle, sie verbinden den Stadtteil mit der Innenstadt und mit den äusseren Stadtbezirken. Als Fahrer hat man bei Ausfahrt aus dem Betriebshof, auf linker Hand, die Gleise des Frankfurter Hauptbahnhofs direkt neben sich. Schaut man nach rechts, so blickt man in die kleinen Straßen des Viertels. Geht man dort hinein, öffnet sich plötzlich ein komplett neuer Stadtraum. Zwischen Hardenbergstrasse und Schönstrasse säumen Altbauten das Straßenbild. Die Hektik des Hauptbahnhofs scheint fast verschwunden und stattliche Platanen-Bäume wachsen am Straßenrand. Hier taucht man in das Gutleut der Gründerzeit hinein. Die Wohnungen sind hier noch nicht alle komplett saniert, man merkt nur langsam die ansteigende Nachfrage und Veränderung. Man fühlt sich auf einmal behaglich wohl. Fragt man die Menschen nach dem Gutleutviertel, so verbinden sie dies eher mit der Hektik der Großstadt. Doch das stimmt so nicht. Obwohl sich der Stadtteil stets verändert gibt es immer noch kleine Oasen, wie die Straßen rund um den Rottweiler Platz, die zum Verweilen einladen. Parks und die gründerzeitlich, historische Bebauung üben noch heute auf die Menschen ihren Charme aus. Zur Industriealisierung stand das Viertel im Zeichen der Arbeiter. Die Häuser wurden als Mietskasernen für die nahe Unterbringung der Arbeiter gebraucht. Das Gutleutviertel war eines der Stadtteile, der am stärksten durch die Industrie geprägt wurde. Noch heute ist das Heiz- und Kohlekraftwerk am Westhafen eines der markantesten Punkte des Viertels. Die Schornsteine sieht der Betrachter schon von weit her. Das Kraftwerk hat einen eigenen Anlegehafen für Schiffe, die voll beladen mit Kohle dort Halt machen. Dabei kann man eine besondere Beobachtung machen: Mittels einer archimedischen Schraube wird die Kohle vom Schiff in das Kraftwerk geholt. Eine Technik die sich das Kraftwerk zu Nutze macht ,um Platz zu sparen. In der unmittelbaren Nachbarschaft zum Kraftwerk hat sich das Westhafenquartier entwickelt. Die dort entstandenen, hochpreisigen Wohnungen ziehen Gutverdiener an. Moderne Wohnhäuser und 6-Stöckige „Punkthäuser“ am Kai prägen nun das Areal des ehemaligen Westhafens und verleihen dem Viertel einen futuristisch, coolen Charakter. Hier sei angemerkt, dass der Westhafen kein eigener Stadtteil ist. Er gehört genauso zum Gutleut, wie ein Teil des Hauptbahnhofs, der Baseler Platz oder die ehemalige Kaserne am Behördenzentrum. Es sind die Gegensätze aus vergangener Zeit, moderner Architektur und einer sozialen Mischung der Bewohner, die das Viertel heute prägen. Zum neuen Wahrzeichen des Stadtteils hat sich der 112m hohe „Westhafen Tower“ gemausert. Durch seine rautenförmige Glasfassade, die an ein Apfelweinglas erinnert, wird er im Volksmund das „Gerippte“ genannt. Direkt neben dem „Gerippten“ ist die „Frankfurter Botschaft“ untergekommen; Ein Restaurant welches mit einem einmaligen Genussangebot internationaler Speisen mit einer Prise Frankfurter Lokalkolorit besticht. Speisen wechseln und erfinden sich stets neu. Tipp: Lassen Sie sich Zeit und genießen das abendliche Treiben in der Botschaft. Ein paar Schritte vom Tower entfernt läuft man an einer ehemaligen, preussischen Kaserne vorbei. Ihre trutzigen Wände und die bollwerkartigen Türme sind Zeichen des Militärs, welches dort untergebracht war. Die in den Jahren 1877-79, von den preussischen Baumeistern Bruhn und Zacharias, entworfene Infanteriekaserne wirkt durch ihre Klinkerfassade und dem roten Sandstein mächtig und dominiert die Gutleutstrasse im östlichen Abschnitt. Heute ist sie ein Teil des Behördenzentrums, dass sich hinter der Kaserne entwickelt hat.

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Vom Gutleutviertel in die ganze Welt

Das Gutleutviertel besitzt als einziger Stadtteil in Frankfurt eine Segelschule. Sie befindet sich im Hafenbecken des ehemaligen Weshafens. Mit einer tollen Aussicht auf die Skyline können interessierte Leute hier segeln lernen. Im Sommer wird das Angebot gern regelmässig genutzt. Die leichten Wellen des Mains umschmeicheln einen im Hafenbecken. Dort braucht man auch keine grossen Schiffe zu fürchten. Kommunikation die nicht via Smartphone aber via Post funktioniert, wird im Gutleutviertel auch groß geschrieben. Im Westen des Stadtteils ist eines der grössten Postverteilzentren Deutschlands angesiedelt. Hier werden kleine und grosse Briefe sortiert, eingeordnet und auf den Weg geschickt. Vom Gutleutviertel in die ganze Welt. Das gibt es nur hier. Selbst der Bus fährt direkt zum Postzentrum und bringt die Mitarbeiter vom Hauptbahnhof direkt dorthin. A pro pos Hauptbahnhof: Wie schon erwähnt gehört auch ein Teil des Gleisvorfelds zum Gutleutviertel. Nach Leipzig ist der Fankfurter Hauptbahnhof der zweitgrösste Kopfbahnhof Europas. Trubel und Hektik, ein- und ausfahrende Züge bestimmen den Takt. Auf der Südseite hat sich ein provisorischer Busbahnhof für Fernbusse breit gemacht. Durch die zentrale Lage und der vielen Busse, die täglich hier an und abfahren wird im Moment ein eigener, richtiger Busbahnhof auf einem ehemaligen Parkplatz gebaut. Natürlich alles in Sichtweite zu den Gleisen und mitten im Gutleut. Das zieht Menschen an und lässt sie verweilen. Auch wenn der Eintritt ins Viertel vom Hauptbahnhof aus nicht der Schönste ist, so lässt sich doch einiges Entdecken, wenn man hinter die Fassaden schaut.

Manuela Mock in ihrer Boutique am Baseler Platz
Manuela Mock in ihrer Boutique am Baseler Platz

Menschen prägen das Viertel

Hinter die Fassade schauen, kann man auch wenn man den Menschen aus dem Viertel begegnet. Denn sie prägen mit ihren Geschichten das Viertel und machen es erst liebens- und lebenswert mit Herz und Schnauze. Frau Kraus, die in der Gutleutstrasse 94 die Pension Aller betreibt, hat Herz und auch viele Geschichten auf Lager. In einem denkmalgeschützen Jugendstilhaus unweit des Baseler Platzes findet jeder Gast ein Zuhause, wenn er in Frankfurt ankommt. Denn hier gibt es keine Hektik, sondern es wird auf jeden Einzelnen eingegangen. Ankommen in Frankfurt und die Stadt mit ihren Bewohnern kennen lernen und sich wohl fühlen. Das ist auch das Rezept der Pension. Die Gäste erfahren bei Frühstücksgesprächen mit der Chefin neuste Entwicklungen aus der Stadt. Dazu gibt es im Hinterhof einen kleinen Garten mit einem römischen Brunnen in der Mitte. Das ist Idylle mitten im Großstadtalltag, runterkommen und sich entspannen. Frau Kraus bietet im „Café Nussknacker“ selbstgebackenen Kuchen und Kaffee an. Man muss nicht extra als Hotelgast vorbeikommen, sondern kann auch ganz spontan vorbeischauen. Als echte Gutleuterin, ist Frau Kraus mächtig stolz darauf hier geboren zu sein. Die Mischung der Läden, der Menschen und der Möglichkeiten macht das Leben im Gutleutviertel so spannend. Das findet auch Manuela Mock, die am Baseler Platz in einem Gründerzeithaus ihren Laden hat. Die gebürtige Wiesbadenerin, nutzt das Viertel in allen Lebenslagen. „Man erlebt immer wieder neue Dinge, besonders in der Strassenbahnlinie 12“, sagt sie. Das Beobachten der Menschen, in der Bahn, während diese sich unbeobachtet fühlen ist für sie immer ein Genuss. Da am Baseler Platz einige Tramlinien halten, Manuela aber am liebsten in der Münchener Straße im Bahnhofsviertel shoppen geht, nimmt sie gern für eine Haltestelle die „12.“ Das erlebte wird dann manchmal in kleine Geschichten verpackt und anschließend auf Facebook geposted. Einen besonderen Knalleffekt bieten manche Autofahrer, wenn sie verbotenerweise am Baseler Platz die Schienen der Straßenbahn queren. Da kommt öfters zum Zusammenstoß und es staut sich anschließend. Durch die Fenster der Boutique kann man das Treiben des Verkehrs gut beobachten. Manuela Mock ist aber auch selbst ein Hingucker: Die blonden Haare, meist auftoupiert und der rote Schmollmund sind schon von weit her gut erkennen. Das fällt auf, ist aber für Manuela kein Problem, denn sie verbiegt sich nicht. Ihre Rolle ist ganz sie selbst zu sein. Für die Frankfurter Neue Presse schreibt sie unter dem Pseudonym „Prinzessin vom Main“ eine Kolumne und ist in der Frankfurter Szene und darüber hinaus sehr bekannt. Gerade ist sie von der Berlinale wiedergekommen und hat allerhand Prominenz sicher auch Geschichten über das Gutleut erzählt. Vielleicht trifft man ja den ein oder anderen Star direkt im Gutleut an? Wäre sicher nicht das erste Mal, dass sich da einer hin verläuft. Das Leben ist bunt und das Gutleutviertel ist bunter. Ob es nun der Obdachlose im Wartehäuschen, die Pensionsbesitzerin mit eigenem Café, der Strassenbahnfahrer aus dem Depot oder man einfach transnormal ist. Alles passt zusammen und das soll auch in Zukunft so bleiben. Das Gutleutviertel wandelt sich, aber die Bewohner bleiben sich immer treu.

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Das Gutleutviertel geht online

Das Gutleut geht mit der Zeit und weil der Stadtteil lange im Internet ein Dornröschendasein hatte, kümmern sich jetzt zwei Studenten von der Hochschule Darmstadt um die mediale Aufbereitung des Viertels. Yasar Honneth und Nadine Tannreuther haben zu ihrer Masterarbeit zum Thema: „Die Gentrifizierung in Frankfurt“ recherchiert und wurden im Gutleutviertel fündig. Das Gutleutviertel, bisher online noch nicht richtig erfasst und in einigen Statistiken fehlerhaft dokumentiert, bildet die gesamte Welt in einem kleinen Kern ab. Durch Herumlaufen im Viertel und im Gespräch mit den Bewohnern erhielten die beiden Studenten Einblicke in einen Mikrokosmos. Angeregt durch die Interviews und die Bewohner selbst entstanden daraus die ersten „Gutleut-Tage“, die vom 24.01.16 bis 31.01.16 stattfanden. Interessant ist dabei zu erwähnen, dass das Programm so gestaltet wurde, dass man sich entweder alle Tage vormerken oder einzelne Veranstaltungen besuchen konnte. Vom Milchsackgelände über eine Kraftwerksführung, dem Seniorennachmittag oder ein gemütlicher Abend am Orange Beach. Für alle ist etwas dabei. Auf Facebook gibt es die Seite „Das Gutleutviertel.“ Dort informieren Yasar Honneth und Nadine Tannreuther über das Viertel mit vielen Fotos und Videos. Interaktiv das Gutleutviertel zu erleben ist für die beiden Studenten ganz wichtig. Aus der Masterarbeit hat sich ein Selbstläufer entwickelt. Da das Programm so gut ankommt, sind noch weitere Projekte mit und über das Gutleutviertel geplant. Lassen Sie sich überraschen und schauen einfach selbst vorbei, im Gutleut. Wer jetzt Lust bekommen hat, der kann am 5. März 2016 sich am Baseler Platz mit den Organisatoren treffen. Dann findet ein interaktiver Spaziergang durch das Viertel statt. Smartphone nicht vergessen, es werden dabei Infos auf das Handy übertragen. Wer es noch nicht weiß, gut kommt von Gutleut. Seien sie gut und erleben sie Frankfurts Stadtteil zwischen Industrie und Moderne.

 

Über den Autor:

Martin Dathe-Schäfer ist 32 Jahre alt, kommt aus Frankfurt am Main, hat ein abgeschlossenes Studium als Kulturjournalist und arbeitet seit 5 Jahren im Fahrdienst der VGF. In seiner Freizeit treibt er gerne Sport, verreist viel und interessiert sich auch privat für das Thema ÖPNV.

Wir bedanken uns herzlich bei Jens Deck für die Unterstützung!

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12 Kommentare

  1. Wieder ein sehr umfangreicher und sehr spannend geschriebenerArtikel.
    Volle Punktzahl für dich lieber Martin. R

  2. Wieder ein sehr umfangreicher und sehr spannend geschriebenerArtikel.
    Volle Punktzahl für dich lieber Martin.

    1. Vielen Dank! Das freut mich. 🙂

  3. Ein sehr guter Beitrag,der mir einen schönen Einblick in ein Viertel gibt von dem ich ansonsten leider bisher kaum Notiz genommen habe.

    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Dieses Stadtteilportait darf gern die Menschen neugierig machen. Evtl. setzen wir dies in loser Reihenfolge fort.

  4. richtig gut geschrieben! macht neugierig auf einen stadtteil, in dem ich zwar mal ein jahr gewohnt habe, der der mich nie sonderlich interessiert hat.

    1. Dann lohnt es sich bald wieder nach Frankfurt auf den Weg zu machen. 😉

  5. Ein toller Artikel über Frankfurt und das Gutleutviertel. Da kommt man ja richtig ins Schwärmen. Einen Wiesbadener Gruß von Dieter, der auch ab und an die VGF in Frankfurt nutzt.

    PS: Die alten Trambahnen im Betriebshof sind sehr schön aufgenommen worden.

    1. Sehr schön zu hören, dass Sie sich gern in Frankfurt aufhalten und wohlfühlen. Danke für das Feedback. 🙂 (mds)

  6. Einen Nachtrag gibt es noch: Die Veranstalter von den „Gutleuttagen“ haben freundlicherweise darauf hingewiesen, dass ihre Veranstaltung am Samstag, den 05.03.2016 um 15 Uhr am Baseler Platz beginnt.

    Dies wurde hiermit nachgeholt. (mds)

  7. Ein informativer Bericht, aber was war oder ist die
    Kriegsleder – Aktengesellschaft?
    Noch nie gehört, aber jetzt neugierig geworden 😀

    1. Hallo Peter,

      meines Wissens nach war die Kriegsleder Aktiengesellschaft so aufgebaut, dass dort Lederwaren für den Krieg hergestellt wurden.
      Dabei nutze man die vorhandenen Hallen des Straßenbahndepots als Produktions- und Lagerfläche. Hergestellt wurden Stiefel und andere Lederwaren für die Soldaten.

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