Hochwasser im Südbahnhof

Ein heftiges Gewitter entlädt sich über Frankfurt. Sintflutartige Regenmengen überschwemmen die Straßen, Sturzbäche strömen die Treppen und Rolltreppen hinunter, Fahrgäste waten Barfuß durchs Wasser, U- und Straßenbahnen können nicht mehr fahren – Land unter in Sachsenhausen!

Fiktion? Keineswegs: Am 14. Juni 2016 war das Realität. In Frankfurt fielen innerhalb weniger Stunden bis zu 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Besonders die südlichen Stadtteile waren betroffen. Hier wurden Straßen so stark überschwemmt, dass der Betrieb der Straßenbahnlinien 14 und 17 kurzzeitig unterbrochen werden musste. Insbesondere die zahlreichen südmainischen Bahn-Unterführungen – Stresemannallee, Schweizer Straße und Mörfelder Landstraße – liefen voll wie Badewannen. Selbst wenn die Straßenbahnen eine Watfähigkeit wie Kampfpanzer hätten: Wegen ihrer niedrigen Böden hätten die Fahrgäste nasse Füße bekommen. Und ein Ersatzverkehr mit Taxen war wegen des Chaos auf den Straßen unmöglich einzurichten.

Aber der Regen setzte nicht nur Unterführungen und Keller unter Wasser, sondern er flutete auch den gesamten Südbahnhof. Der Durchgang der A-Ebene zwischen Diesterwegplatz und Mörfelder Landstraße mit Geschäften und Fahrkartenautomaten ähnelte mehr einem Wasserpark als einem Regional-Bahnhof mit U-Bahnstation. Auf der Fahrebene der U-Bahn erreichte das Wasser zwischenzeitlich einen Stand von 40 bis 50 Zentimetern – Tendenz zunächst steigend. Am Ende blieb die Flut aber unter der Bahnsteigkante, da sie im Kabelkanal abfloß und das Wasser auf 20 Zentimeter Höhe im Gleisbett stehen blieb.

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Trotzdem stellte die VGF den U-Bahnbetrieb um 17 Uhr 14 ein, die Linien U1, U2, U3 und U8 endeten von Norden kommend am „Willy-Brandt-Platz“. Innerhalb weniger Minuten mussten alle Fahrgäste die Station verlassen. Von ca. 20 Uhr an waren die Kollegen der Feuerwehr vor Ort und begannen damit, das Wasser literweise aus der Station zu pumpen. Zwar wären die Wassermassen auch ohne Abpumpen abgelaufen – und zwar in die so genannten Pumpensümpfe –, das hätte allerdings etwa fünf Stunden gedauert. Da der Südbahnhof wegen des Tunnels unter dem Main ein wenig höher liegt als die beiden benachbarten Stationen „Schweizer Platz“ und „Willy-Brandt-Platz“, sind kleinere Wassermengen durch das Gefälle in den Tunnel geflossen und konnten dort in den Abflüssen versickern.

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Die Station „Südbahnhof“ war in der Vergangenheit durch Starkregen schon mehrfach Hochwassergefährdet und sogar überflutet. Der Bahnhof mit seinen diversen Treppenabgängen an der Mörfelder Landstraße ist ein neuralgischer Punkt, da der gesamte Niederschlag in zum Teil großen Mengen und noch größerem Tempo vom Lerchesberg Richtung Mörfelder Landstraße strömt. Die VGF hat an den genannten Zu- und Abgängen deshalb schon vor Jahren 50 Zentimeter hohe Stahlplatten montiert, die bei Bedarf – sprich: zu viel Regen – schnell hochgeklappt werden können und als Überflutungssperrungen dienen. Ohne diese Klappschotts wäre die Station auch dieses Mal wesentlich schneller vollgelaufen, sie haben sich also bewährt. Doch leider: Wasser sucht sich nicht nur seinen Weg, es findet ihn auch. In diesem Fall über die Treppen im Inneren des Südbahnhofs, Deckendurchbrüche und einen Aufzugsschacht.

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Dieser Aufzug, der die A-Ebene mit dem Mittelbahnsteig verbindet, wurde durch das Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen. Neben dem Aufzug wurden acht Fahrtreppen unter Wasser gesetzt und beschädigt. Bei letztgenannten war das Wasser schon am nächsten Morgen bis auf ca. zehn Zentimeter aus den unteren Gruben abgelaufen, den Rest musste die Feuerwehr abpumpen. Das Wasser ist bei den Rolltreppen in alle Geräte und Dosen eingedrungen, eine Fahrtreppe ist schließlich kein U-Boot. Durch den lobenswerten Einsatz unserer Mitarbeiter konnten die meisten Fahrtreppen nach Instandsetzung und Reinigung der Stufenbänder direkt wieder in Betrieb genommen werden. Um den Fahrbetrieb so schnell wie möglich wieder herstellen zu können, haben unsere Kollegen in Nachtarbeit alle Technik- und sonstigen Räume auf Herz und Nieren durchgecheckt. Glück im Unglück: Am Gebäude selbst ist durch den massiven und spektakulären Wassereinbruch kein Schaden entstanden. Auch Fahrkartenautomaten der VGF blieben intakt. In wie weit die DB-Automaten in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist uns leider nicht bekannt.

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In Frankfurt waren so gut wie alle Straßenbahnlinien von dem Unwetter betroffen. Zwar musste die VGF nur die 14 und 17 umleiten, alle anderen folgten ihrem Linienweg, teilweise aber mit erheblicher Verspätung. Noch am gleichen Abend konnten die Züge ohne Fahrgastwechsel wieder bis zum Südbahnhof fahren und dort in der Wendeanlage die Fahrtrichtung wechseln; nach einer umfangreichen Reinigung von Bahnsteig und Treppen waren Ein- und Ausstieg mit Betriebsbeginn am frühen Mittwochmorgen wieder möglich.

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Herzlichen Dank an unsere Kollegen, ohne deren engagierten Einsatz durch die gesamte Nacht hindurch der Fahrbetrieb so schnell nicht hätte wieder aufgenommen werden können!

 

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1 Kommentar

  1. Einmal alles durchspülen macht aber alles auch sehr schön sauber!

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