Guten Tag, der Prüfdienst, Ihre Fahrkarten bitte!

Wer regelmäßig mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln fährt, ist ihnen garantiert schon mehr als einmal über den Weg gelaufen. Die Rede ist von den Mitarbeitern des Prüfdiensts. Bei jeder Bahn das gleiche Spiel: Zugnummer notieren, einsteigen, aufteilen. Sobald die Türen sich schließen, hört man die bekannte Bitte: „Guten Tag, die  Fahrkarten bitte.“ Wer ein Ticket hat, kann jetzt aufatmen. Ansonsten kostet der Ausflug zu Karstadt oder nach Oberursel 60 Euro.

An sieben Tagen in der Woche kann man sie in der Straßen- oder U-Bahn antreffen. Sie sind im Auftrag der VGF auf Frankfurts Linien unterwegs und kontrollieren die Tickets unserer Fahrgäste. Am 22. Mai, es war ein Montag, war ich live mit dabei. Und eins war schnell klar: Nancy Meiler, Michael Kluge und Amir Anwar haben keinen leichten Job.

Morgens um sechs Uhr an der Konstablerwache

Wie heißt es so schön? Der frühe Vogel fängt den Wurm. Morgens um sechs geht es nämlich für den Prüfdienst mit der Arbeit los. Während ich um diese Uhrzeit meine Augen kaum aufhalten konnte, waren Nancy Meiler, Michael Kluge und Amir Anwar voller Tatendrang. Unser Fahrplan: die U6 und U7 zwischen „Konstablerwache“ und „Bockenheimer Warte“, immer hin und her, her und hin.

Seit mittlerweile gut zweieinhalb Jahren, Nancy Meiler ist sogar schon vier Jahre dabei, gehen sie regelmäßig „auf  Strecke“. Entsprechend viele Geschichten haben die drei zu erzählen. Eine konnte ich aber auch zum Besten geben: Ende vergangenen Jahres fuhr ich mit der S-Bahn zur hessischen Landeshauptstadt. Natürlich habe ich mir zu meiner Monatskarte ein Anschlussticket gekauft. Kaum am Wiesbadener Hauptbahnhof angekommen, landete das Fahrticket im Mülleimer. Dumm nur, dass ich mit dem Bus noch ein Stück in die City reinfuhr. Und noch dümmer, dass ich prompt kontrolliert wurde. Da half nur noch Humor. Also: Heben Sie Ihre Fahrkarte besser etwas länger als nötig auf.

Leider reagiert bei einer Kontrolle nicht jeder gelassen. So mancher, der ohne gültiges Ticket unterwegs ist, wird nicht nur gemein. „Es gab schon Fälle“, so verrät Amir Anwar mir, „dass ich angespuckt und beschimpft wurde.“ Muss das wirklich sein?

Zumal der Tag im Leben eines Fahrkartenprüfers bzw. einer -prüferin generell schon anstrengend ist. Man ist gut acht Stunden auf den Beinen. Das Gleichgewicht in einer fahrenden Straßen- oder U-Bahn zu behalten, ist auch nicht ohne. Ich jedenfalls war am späten Nachmittag ziemlich platt – die Füße schmerzten und ich „hatte Rücken“.

Der Prüfdienst als erster Ansprechpartner

Im Gegensatz zu anderen Städten sind die Frankfurter Kontrolleure auf den ersten Blick erkennbar. Sie kommen nicht in zivilen Klamotten daher, sondern sind schon aus der Ferne in ihrer Dienstkleidung eindeutig zu erkennen, und das seit 2010. Im Sommer tragen sie Westen, im Winter Jacken mit Applikationen in der VGF-spezifischen Farbe Subaru-Vista-Blue. Hinten drauf steht „Service & Prüfdienst“.

Warum geht man am Main anders vor als beispielsweise in Dresden oder andernorts? Nicht die Einnahmen des Erhöhten Beförderungsentgelts (kurz: „EBE“) stehen bei uns im Vordergrund. Wir orientieren uns am zahlenden Fahrgast. Und der möchte schnell einen kompetenten Ansprechpartner erkennen. Mit einem beliebigen weißen Hemd und dunkelblauer Hose bekleidet, könnte man Nancy Meiler, Michael Kluge und Amir Anwar sonst womöglich auch für Banker halten. Das passiert nicht in Dienstkleidung.

Die Kontrolleure geben Tarif- und Fahrplanauskünfte, haben ein offenes Ohr für Wünsche und Beschwerden und gehen, wo immer es nötig ist, helfend zur Hand. Die stärkere Serviceausrichtung kommt bei unseren Kunden gut an. Viele treten an diesem Montagvormittag auf die Prüfer zu, um Fragen zu stellen. Ein junger Mann möchte wissen, wie weit er mit seinem Ticket fahren darf. An der „Bockenheimer Warte“ hat eine Frau Probleme mit dem bargeldlosen Zahlen am Automaten. Und das sind nur ein paar Beispiele aus dem Arbeitsalltag.

Drei positive Nebeneffekte: Wir haben weniger Einnahmeausfälle. Durch die verstärkte Wahrnehmung kauft man sich dann doch eher eine Fahrkarte. Bundesweit wird der Anteil aller Bus- und Bahnfahrgäste ohne gültigen Fahrausweis auf etwa 3,5 % geschätzt; dadurch entgehen den Verkehrsunternehmen in Deutschland nach Angaben des Verbands Deutscher verkehrsunternehmen (VDV) bis zu 250 Millionen Euro jährlich.  Zweitens: Die Übergriffe auf Prüfer sind bei uns drastisch zurückgegangen. Und drittens: Das Image der Kontrolleure wird aufgebessert. In der Vergangenheit kam es öfters zu Schwierigkeiten mit „Schwarzfahrern“. Inzwischen weitestgehend nicht mehr.

Stationskontrolle

Aber nicht nur in unseren Straßen- und U-Bahnen kann man den Prüfern begegnen. Zweimal die Woche, stets an verschiedenen unterirdischen U-Bahn-Stationen, treten die Mitarbeiter verstärkt auf. Dann nämlich ist Stationskontrolle, so zum Beispiel am 27. Juni in der Station „Bornheim Mitte“.

24 Kontrolleure waren an diesem Dienstag zwischen 15 und 17 Uhr vor Ort. Circa 2.500 Kunden stiegen in dieser Zeit an der Station aus. Die Prüfer kontrollierten an allen Zu- bzw. Ausgängen und trafen tatsächlich so manchen Fahrgast ohne Ticket an. Es gab auch ganz amüsante und positive Ereignisse wie  z.B. eine ältere Dame, die irgendwie orientierungslos in die Kontrolle lief und einen Kontrolleur fragte, was denn hier los sei. Der Kontrolleur nahm sich ihr an und erklärte ihr das Vorgehen dieser besonderen Kontrolle. Sichtlich erleichtert, bedankte sie sich für diese informative Auskunft. Da sie etwas unsicher auf den beinen war, fragte sie den Kollege nach dem Aufzug zum Bahnsteig. Dieser nahm die Dame „an die Hand“ und brachte sie nicht nur zum Aufzug, sondern begleitete sie bis hinunter zum Bahnsteig. Die Dame bedankte sich nochmals für die Freundlichkeit des Personals. By the way: einen Fahrschein hatte sie natürlich.

Schon gewusst? Wer zur U-Bahn möchte, um jemanden abzuholen, und in eine Stationskontrolle gerät, sollte sich bei Zutritt zur Station eine Bahnsteigkarte vom Kontrolleur geben lassen. Wenn er diese dann auf dem Rückweg vorzeigt, gibt es keine Probleme.

Wie man mir erzählte, muss auch das eine oder andere Mal die Polizei zur Unterstützung gerufen werden. Vor ein paar Wochen wurde ein Rentner kontrolliert, der nicht glauben wollte, dass tatsächlich Mitarbeiter des Prüfdiensts vor ihm stehen und nicht irgendwelche Betrüger.

 

Noch die eine oder andere interessante Info zum Prüfdienst

Die Firma WISAG verfügt über ca. 80 Beschäftigte im Fahrkartenprüfdienst, davon elf weibliche. Ähnlich wie beim Ordnungsdienst sind alle Mitarbeiter/innen  beim Dienstleister  WISAG angestellt.

Ein Blick auf das Namensschild verrät, welche Sprache der Prüfer bzw. die Prüferin beherrschen. Amir Anwar spricht drei Sprachen fließend, darunter Deutsch und Englisch, außerdem ein paar Brocken Türkisch und Rumänisch und sogar ein klein wenig „Donald-Duckisch“.

Verschiedene Medien, u.a. die FAZ, haben über unseren Prüfdienst berichtet. Den FAZ-Onlineartikel finden Sie hier:
http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurter-bus-und-bahn-so-arbeiten-kontrolleure-13777283.html

Oder schauen Sie in die TV-Reportage „Achtung Kontrolle“ bei Kabel eins rein:
http://www.kabeleins.de/tv/achtung-kontrolle/videos/2015211-freitag-herrenloses-gepaeck-am-flughafen-2-ganze-folge

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6 Kommentare

  1. Die Damen und Herren vom Prüfdienst sind dermaßen unfreundlich und legen einen Ton an den Tag der nicht mal in der Gosse hochkommt. Seit über 4 Jahren habe ich jeden Morgen die selben Mitarbeiter in der U-Bahn und es wird immer schlimmer mit den Herrschaft. Man muss sich herablassend behandeln lassen etc. Manchmal kommt der Prüfdienst im Pulk sodass 20 Mitarbeiter in der U-Bahn stehen und für Fahrgäste teilweise kein Platz mehr ist…

    Traurig dass sich der Prüfdienst von Tag zu Tag assozialer verhält.

    1. In der Gosse in Frankfurt ist der Ton natürlich schlimmer

  2. Weiß nicht was dein Problem ist Uschi. Wurde schon einige Male kontrolliert und die waren immer sehr sehr freundlich. ^^
    Generell gilt; das Fahrzeug gehört der VGF, also hast du auch nach deren Pfeife zu tanzen.
    In deinem Auto hätte man doch auch nach deiner Pfeife zu tanzen.

  3. Fehlende und mangelnde Kommunikation!
    Wer jemanden abholen möchte, muß eine Bahnsteigkarte besitzen. Kommunziert, wo und wie der Fahrgast, an einer gottverlassenen Station, diese Karte erhält oder nur ein einziger Hinweis darauf,
    fehlt schon seit Jahren. In den Beförderungsbedingungen wird es am Rande erwähnt. Versuchen Sie mal, an der Messe in Frankfurt eine Bahnsteigkarte zu erhalten.

  4. Mal eine Frage VGF: Kann es irgendwie sein das eure Mitarbeiter vom Prüfdienst in letzter Zeit gerne mal eine Auge zu drücken? Ich habe es jetzt schon mehrfach erlebt das der Prüfdienst Schwarzfahrer einfach gebeten hat an der nächsten Haltestelle auszusteigen und ein Ticket nachzukaufen. Ich find das als zahlender Kunde der jedes Jahr rund 1000€ für eure Dienste berappt eigentlich nicht ok, es sei denn die Person ist offensichtlich Obdachlos o.ä., aber ansonsten erwarte ich schon das da die 60€ Bußgeld fällig werden, ich bezahle schließlich für diese Personen mit.

  5. Ach die Prüfen so gut wie nie , auch dann wenn die jemandem erwischen lassen sie ihn eine Fahrkarte kaufen oder sagen bei der nächsten steigen Sie bitte aus .
    Veraschen kann ich mich selber fahre schon seit 3 Jahre ohne gültige Fahrkarte wenn ich die grüne Schlümpfe sehen steige ich wieder aus und fahre mit der nächsten weiter hahaha 👍

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