Komplett gefliester Gang der B-Ebene des Ostbahnhofs. Mitte die Treppe und Fahrtreppe, dahinter der Aufzug.

Stationskunst in Frankfurt

U-Bahnstation und Kunst? Nein, auf den ersten Blick ist da oft gar nichts zu sehen, steigt man doch täglich an der einen oder anderen Station aus, folgt oft nur dem Strom der anderen Fahrgäste an die Oberfläche oder eilt zum nächsten Anschluss. Aber tatsächlich haben alle U-Bahnstationen ein architektonisches und künstlerisches Konzept. Natürlich ist eine U-Bahnstation kein Luxustempel und keine Kunstgalerie, dient die Gestaltung ganz gewöhnlichen Zielen wie besserer Orientierung, Freundlichkeit trotz fehlender Fenster und dem Sicherheitsbedürfnis der Fahrgäste. Wirtschaftlich muss die Kunst jedenfalls sein, die für U-Bahnstationen entworfen wird.
Gleichzeitig soll jede Station aber ein individuelles Gesicht erhalten, das zum Beispiel ein kleines Abbild der Umgebung darstellt oder ähnlich angelegte Stationen markant voneinander unterscheidet. Doch sind auch hier liebevolle und anspruchsvolle Details und wirkungsvolle Gestaltungen zu entdecken, auf die die Fahrgäste bisweilen erst aufmerksam gemacht werden müssen.
Station Hauptwache

Station Hauptwache

In den 1980er Jahren wurde die Umgestaltung einer der ältesten U-Bahnstationen Frankfurts, deren Design nicht mehr zeitgemäß war, unumgänglich. Im Zuge dieser „Renovierung“ wurden die grauen Elemente durch farbige ersetztund zusätzliche Deckenlampen installiert. Die Hauptwache wirkt heute wie eine Einkaufspassage mit Geschäften, hellen, freundlichen Ecken zum Verweilen und Einkaufen. Bei der Gestaltung der C-Ebene mit Gelb- und Brauntönen wurde das ursprüngliche Konzept bewahrt. Der Architekt A.C. Walter hat dieniedrige Decke durch die Anordnung der Farben optisch erhöht.
Doch auch dieses Design kommt nach 30 Jahren so langsam aus der Mode. Deshalb haben wir zumindest einen Teil der B-Ebene im vergangenen Jahr ein wenig aufgehübscht.
Station Heddernheim

Station Heddernheim

 

Die im Jahre 1968 in Betrieb genommene und 1986 erweiterte Station „Heddernheim“ wurde 2004 gründlich saniert und gänzlich umgebaut. Die „neue“ Station „Heddernheim“ erhielt 2005 den „traffiC design award“. In der Begründung hieß es, durch den Umbau habe die Station größere Ruhe und Übersichtlichkeit gewonnen. Die Dächer der Bahnsteige bilden klare, hintergrundbeleuchtete Flächen. Auf die großflächige Dachkonstruktion, die sich in der unübersichtlichen Umgebung des nördlichen Nahverkehrsknotenpunkts deutlich behauptet, legten die Architekten besonderen Wert. Es ist bemerkenswert, wie filigran die  Dachkonstruktionen trotz ihrer architektonischen Wucht wirken. Die Windschutzwände, die wie alle anderen Bauteile der Station dem Verlegeraster der Bodenplatten folgen, wurden in gefärbtem Spezialbeton gegossen und anschließend vollflächig mit Steinmetzwerkzeug bearbeitet.

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Beim Ost-Abschnitt der U-Bahnlinie U4 zählte die farbige Gestaltung mit Keramikfliesen zu den Vorgaben. Die als zweckmäßig und übersichtlich – und nicht hauptsächlich repräsentativ – geplanten Stationen „Seckbacher Landstraße“, „Höhenstraße“, „Bornheim Mitte“ und „Merianplatz“ werden dieser Vorgabe gerecht. Das Farbkonzept des Designers Friedrich Ernst von Garnier sah für den Ausbau der Haltestellen jeweils eine Grundfarbe mit all ihren Schattierungen vor. So ist die Station „Höhenstraße“ in Rottönen, die Station „Seckbacher Landstraße“ in Blau-, die Station „Merianplatz “ in Grün- und die Station „Bornheim Mitte“ in Gelbtönen gehalten. Die Keramikfliesen für die Stationen sind Sonderanfertigungen von Villeroy & Boch. Neben der ungewöhnlichen Größe haben sie eine säure- und laugenbeständige Glasur und sind sehr belastbar. Ihre narbige Oberfläche bricht das Licht und lockert die Farbwände zusätzlich auf. Die Farben sollen in den nüchtern gestalteten Stationen eine angenehme Atmosphäre schaffen und die Orientierung in den doppelstöckigen Bauten erleichtern.
Station Dom/Römer

Station Dom/Römer

Wer im historischen Boden am Frankfurter Römer gräbt, stößt auf viele geschichtlich interessante Funde. Entsprechend hat das Museum für Vor- und Frühgeschichte den Bau der Station „Dom/Römer“ von Anfang an begleitet. Der rote Mainsandstein, der diese Station kennzeichnet, blieb auch nach dem Umbau 1988 erhalten, bei dem die verwinkelte, düstere Anlage durch die offene Rotunde und die freundliche Gestaltung übersichtlicher und heller wurde. Fragmente aus der im Krieg zerstörten Frankfurter Altstadt machen Verteiler- und Bahnsteigsebene sehenswert.

Die Station ist vom aktuellen Umbau der Altstadt betroffen – u.a. wird eine Rolltreppe zur B-Ebene in eines der im Bau befindlichen Häuser integriert.

 

Station Festhalle/Messe

Station Festhalle/Messe

Die Anfang 2001 fertiggestellte Station „Festhalle/Messe“zählt mit ihren hohen Decken und den Wänden aus grobem Sichtbeton zu den modernsten Stationen. Sie ist die letzte bislang in Betrieb genommene unterirdische Anlage im Frankfurter Netz. Neben der großzügigen Gestaltung zeichnet sie sich durch ein besonderes Lichtdesign aus, das die Messebesucher automatisch zum richtigen Ausgang leitet, der heller und breiter wirkt, als der in die andere Richtung führende Ausgang Hohenstaufenstraße.

 

Eingang Bockenheimer Warte

Eingang Bockenheimer Warte

 

Generationenwechsel in der Gestaltung der Stationen
An die Ausschreibung für die architektonische Gestaltung der Stationen „Alte Oper“, „Westend“ und „Bockenheimer Warte“ knüpften sich besondere Erwartungen, konnten doch durchdie Möglichkeit, Veränderungen im Rohbau vorzunehmen, erstmals architektonische Konzepte bereits in die Bauphase eingebunden werden. Das Ergebnis ist eine neue Stationsgestaltung,die sich von engen Röhren und verwinkelten Bahnsteigen befreit. Anders als in den 1960er und 70er Jahren, als die überwiegend zweigeschossige Bauweise und die geringe Deckenhöhe klare Vorgaben stellten, ergaben sich jetzt bei den Stationen auf der sogenannten C-Strecke (U6 und U7) offene und vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten.
Station Bockenheimer Warte

Station Bockenheimer Warte

 

Die vielen tragenden und nicht tragenden Säulen verleihen dieser Station ihren markanten Charakter. Die um die Säulen der B-Ebene angeordneten Sitzbänke und Vitrinen schaffen ungewohnte Ruhezonen abseits desFahrgaststroms in einem von vielen tausend Menschen genutzten Verkehrsknotenpunkt. Für den Eindruck von Weite sorgen die Halbsäulen, die durch die Spiegelung komplettiert werden. Die Beleuchtung ist sternförmig aufden Mittelpunkt des Raums ausgerichtet: die schwere Stützsäule mit dem großen Kissen, eine Arbeit des Bildhauers Richard Hess, auf dem die gewaltige Last der Decke gebettet ist. An den Wänden der Bahnsteigebene von U6 und U7 stellen Fotografien von Barbara Klemm aus dem studentischen Alltag den Bezug zu den Frankfurter Universitätsgebäuden an der Bockenheimer Warte her. Und noch eine Besonderheit: Einer der U-Bahneingänge besteht aus einem schräg aus dem Boden ragenden altmodischen U-Bahnwagen, einem Werk von Zbigniew Pininski.
Station Westend

Station Westend

 

Die offene Gestaltung der Halle und die galerieartige Konstruktion der Zugänge vermitteln Großzügigkeit und Sicherheit. Das U-Bahn-typische Baumaterial Beton wird bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt und in die Farbgebung einbezogen. Helle, blaue Töne unterstützen farblich die Weite der Bahnsteige. Die die Station prägenden Pilzsäulen an den Kopfseiten blättern sich an den oberen Enden palmenartig auf. Diese „pflanzliche Anordnung“ verweist auf die Attraktion in der Umgebung der Station, den Palmengarten. Gleichzeitig dienen sie als imposante Lichtquelle, die durch die indirekte, kreisförmige Beleuchtung eine bezaubernde Stimmung erzeugt.
Station Habsburger Allee

Station Habsburger Allee

 

Insgesamt 60 Esel trotten, jeweils in Richtung der fahrenden Züge, hintereinander auf den Wänden der Station „Habsburger Allee“ entlang. Jedes Tier trägt sein individuelles Päckchen auf dem Rücken: Zigarettenschachteln, Kreditkarten, ein Blaulicht, ohne sich anscheinend bei seinem täglichen Trott davon stören zu lassen. Für den Künstler Manfred Stumpf, der die Wandgestaltung am Rechner entwarf, anscheinend durchaus ein Bild für den heutigen Menschen. Ist das christliche Bild des Esels, beladen mit den Lasten unserer Zeit, in einer U-Bahnstation, in der Tausende Menschen täglich dem gleichen Alltagsgrau unterliegen, Mahnung oder Abbild? Die Interpretation dieser „Reise nach Jerusalem“, wie der Künstler sein Werk nannte, bleibt dem Betrachter überlassen. Manfred Stumpf ist der dritte Stationsgestalter, der aus dem Kreis der Städelschule kommt. Er hat unter anderem bei Thomas Bayrle studiert und ist nach Aufenthalten in New York und Wien seit vielen Jahren überzeugter Wahl-Frankfurter.
Sascha Reimann
s.reimann@vgf-ffm.de
2 KOMMENTARE
  • Alex
    Gepostet am 14:31h, 22 Juni Antworten

    Endlich wird mir das mit Habsburgerallee klar – ich habe mich immer gefragt was das zu bedeuten hat…

    Apropos – wie schaut es mit dieser Kunst bei U-Bahnstation Parlamentsplatz aus, habt ihr dazu auch Infos was das bedeuten oder darstellen soll?

    Bitte mehr von solchen Blogbeiträgen. Danke. 🙂

  • Sascha Reimann, VGF
    Gepostet am 15:00h, 22 Juni Antworten

    Hallo und vielen Dank für das Interesse! 🙂

    Klar, die Frage können wir beantworten: Auf den Emailletafeln der Station „Parlamentsplatz“ ist ein Katalog – grafisch abstrahiert in Schwarzweiß, negativ und positiv – zu sehen. Das Werk, das auf den ersten Blick an eine Häuserkulisse oder eine Landschaft denken lässt, erweist sich bei genauerer Betrachtung als alltäglicher Werbekatalog für Konsumgüter. Man erkennt Lampen und Würstchen, Skifahrer, Gläser und Flaschen. Die Idee dazu kam Udo Koch, gebürtiger Offenbacher und preisgekrönter Absolvent der Städelschule, als ihm der opulente Werbeprospekt eines Großmarkts in die Hände fiel. Die Bilder dieses Katalogs hat er auf seine Weise umgesetzt und die schwarzen Formen schließlich in die weiß emaillierten Paneele eingebrannt.

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