Noch eine Minute – Fahrgast-Info in Echtzeit

Es ist Montag, halb neun am Morgen in Frankfurt. Normalerweise pulsiert der Verkehr in der Altstadt, dort verkehren die beiden längsten Straßenbahnlinien im Netz der VGF: Die Linien 11 und 12. Doch gerade schweigt das Geklingel und Geratter der Straßenbahnen. Was ist passiert? Auf der Leitstelle der VGF wird der Rundspruch zur Information des Fahrpersonals getätigt: „Rundspruch Linien 11 und 12: Zurzeit sind wir im Bereich Römer/Paulskirche wegen eines Falschparkers in beiden Richtungen behindert. Die Züge der Linien verkehren ab sofort bis auf Widerruf Umleitung über Sachsenhausen! Bitte zusätzliche Fahrgastinformation tätigen.“ Diese Information des Fahrdienstleiters ist gleichzeitig der Startschuss für den Mitarbeiter am Fahrgastinfoplatz. Jetzt gilt es, die Anzeiger entsprechend zu beschriften. Die DFI-Anzeiger auf der Straßenbahn werden erstmal „schwarz“ geschaltet, sodass keine Linien mehr angekündigt werden. Gleichzeitig wird ein Info-Text verfasst, welcher alle nötigen Informationen in maximal 130 Zeichen zusammenfassen muss. Am Ende wird folgender Text auf die Anzeiger geschickt: „Li. 11 + 12: Aufgrund eines Falschparkers verkehren die Züge Umleitung. Bitte U-Bahnen nutzen!“ Jetzt können die Fahrgäste in der Altstadt sehen, dass ihre Bahn umgeleitet wird und sie auf die U-Bahn-Linien U4 und U5 ausweichen können. Außerdem wird der Info-Kanal der VGF auf Twitter mit wichtigen Informationen zur Störung gefüttert. Dort können mehr als 130 Zeichen gespeichert und zusätzliche Umleitungsempfehlungen angeboten werden.
Indessen trifft der Falschparker nach 20 Minuten ein und fährt sein Auto weg. Auf den Anzeigern steht: „Die Züge verkehren wieder auf ihrem Linienweg, allerdings kommt es noch zu Fahrplanabweichungen.“ Solange, bis sich der Takt normalisiert hat.

Modernisierungsprogramm der VGF

Auf der Stadtbahn sind bis auf die Station „Niddapark“ bereits alle Stationen mit modernen Informationsmedien ausgestattet. Aber es gibt noch einige Haltestellen im Straßenbahn- und Busbereich ohne Anzeiger. Im Modernisierungsprogramm der VGF werden die Haltestellen sukzessive behindertengerecht umgebaut und mit modernem Haltestellen-Mobiliar ausgestattet. Dazu zählen Lautsprecher, moderne Vitrinen, Blindenstreifen und auch die Anzeiger. Dieses Ausbauprogramm wird zusätzlich vom Land Hessen gefördert. Leider können nicht alle Haltestellen gleichzeitig umgebaut werden. Gerade wurden die Haltestellen im Schwanheimer Wald mit Zugzielanzeigern ausgestattet.

Dynamische Fahrgastinformation

An den Haltestellen und Stationen mit einer Anzeige bekommen die Fahrgäste Informationen in Echtzeit. Wie geht das eigentlich? Ganz einfach: Die Bahn ist über ein Funkgerät im Funknetz angemeldet. Das Funkgerät hält alle wichtigen Informationen über die Bahn parat wie Linie und Kurs, Standort, Verspätung oder Verfrühung. Die Eingabe von Linie/Kurs ist das Erkennungsmerkmal eines jeden Zuges. Vor Ausfahrt aus dem Betriebshof gibt der Fahrer der Linie 18 auf dem Kurs 03 die Ziffern 18/03 in den Bordrechner ein. Somit bekommt die Straßenbahn ihre Identität. Zusätzlich wird über die Eingabe der Route der Fahrweg voreingestellt. Der Fahrplan wird dadurch automatisch in den Bordrechner geladen. Gleichzeitig meldet sich der Zug auf der Leitstelle an. So kann der Zug auf seinem Fahrweg beobachtet werden. Auch die Weichen auf der Strecke wissen nun, wie der Fahrweg des Zuges 18/03 aussieht, und stellen sich bei Annährung des Fahrzeugs in die jeweils richtige Richtung.

Der Anzeiger an der Haltestelle weiß nur mit der bloßen Eingabe von Linie/Kurs und Route allerdings nicht, ob der Zug zu früh oder zu spät ist. Hierfür gibt es kleine Helferlein. Dies sind Baken, welche an Leitungsmasten oder Straßenlaternen angebracht sind. Die Bake ist ein kleiner, rechteckiger Kasten mit einem Lesegerät. Zusätzlich ist auf jeder U- und Straßenbahn und auf den Bussen ebenfalls eine Bake am Fahrzeug verbaut. Kommt also ein Fahrzeug an eine Bake, so findet in Millisekunden ein Austausch der Daten statt. Bei diesem Datenabgleich werden Linie/Kurs, Verspätung/Verfrühung und Standort übertragen. Die Bake registriert dies und gibt die Informationen an das Funkgerät im Zug weiter. Der Funk sendet nun die etwaige Verspätung nicht nur an die Anzeiger, sondern auch auf die Leitstelle. So kann der Fahrdienstleiter über eine Software erkennen, welche Verspätung/Verfrühung ein Fahrzeug hat, und den Fahrer entsprechend ansprechen.

Mehr als nur ein Anzeiger

Die Anzeiger im Straßenbahnbereich sind mit einer Funkantenne ausgestattet. Diese registriert die Daten darüber, ob ein Zug seinen Standort verändert oder nicht. So kann es sein, dass ein Zug der Linie 11 am Willy-Brandt-Platz von 6 Minuten auf 1 Minute runterzählt, dann plötzlich stoppt. Die letzte Minute will gefühlt einfach nicht vergehen. Der Grund: Aufgrund eines Rückstaus in der Münchener Straße kommt der Zug nicht voran. Die Verspätung auf dem Funkgerät in der Bahn läuft weiter wie ein Taxameter. Plötzlich springt der Anzeiger von einer Minute auf 3 Minuten um. Der Zug hatte sich bewegt und eine Bake passiert. Durch den Standort- und Verspätungsabgleich bekam der Anzeiger die aktuellen Daten mit der Verspätung übermittelt. Ist ein Zug mal nicht im Funksystem angemeldet, wird auf den Straßenbahnanzeigern nur der Soll-Fahrplan im Minutencountdown runtergezählt. Die Ziffern haben dann ein sog. „Hochkomma“ hinter der Ziffer.

Das intelligente System kann aber noch mehr, als nur Verspätungen anzuzeigen. Es kann mit einer Laufzeile über Baustellen, Betriebsstörungen und auch Umleitungen informieren. Zusätzlich werden Züge, die ausfallen, auf den Anzeigern der Stadtbahn mit „entfällt“ dargestellt, auf denen im oberirdischen Abschnitt verschwindet der Zug vom Display. Aber woher weiß das System, ob ein Zug jetzt ausfällt oder fährt?
Hier kommt der eingangs erwähnte Fahrgastinformationsplatz ins Spiel. Dieser ist die Schnittstelle für alle Zugzielanzeiger im Stadtgebiet. Die Informationen werden von den Mitarbeitenden in das System eingepflegt. Die Anzeiger reagieren ad hoc und der Ausfall wird angekündigt. Wenn Störungen auf der U-Bahn auftreten, kann über eine Software ein Maßnahmenszenario aufgerufen werden. Hier sind fast alle Störungen auf allen U-Bahn-Strecken vorab eingepflegt. Gibt es auf einer Linie eine Unterbrechung, kann die passende Maßnahme zur Störung aufgerufen werden. Durch die Aktivierung werden alle Anzeiger im gestörten Abschnitt sowie auf den zulaufenden Strecken mit einem Sondertext versehen. Dies ist meist ein Vollbild, auf dem die blinkende Überschrift „Achtung Störung“ auf die Unterbrechung hinweist. Informationen zur Weiterfahrt erfolgen in den weiteren Zeilen. Hier gibt es auch Hinweise zum eingesetzten SEV mit Taxen.
Zusätzlich werden vom Fahrgastinfoplatz die Durchsagen an den Bahnsteigen getätigt. Akustische Informationen sind heutzutage enorm wichtig, besonders für sehbehinderte Menschen. Eine gute akustische Ansage ist Gold wert!

Vorkankündiger an der Hauptwache

Kleiner Exkurs zu den Anzeigertypen im Stadtgebiet

Die Anzeiger auf der Stadtbahn heißen „DyFIS.“ Dies ist ein Markenname vom Hersteller Lumino und steht für: „Dynamische Fahrgastinformation.“

• Von dieser Firma gibt es drei- und vierzeilige Anzeigertypen, sowie Vorankündiger an den großen Stationen wie Konstablerwache, Hauptwache und Hauptbahnhof

• Es können unbegrenzte Info-Texte geschaltet werden

• Sondersymbole wie: ( ! ) für Achtung oder das Info-Zeichen( i ) möglich

Die Anzeiger auf der Straßenbahn heißen „DFI.“ Die Abkürzung wird ebenso als „Dynamische Fahrgastinformation“ übersetzt. Hier ist die Firma Trapeze zuständig und nutzt die allgemeine Abkürzung „DFI.“

• Zwei- und vierzeilige Anzeiger im Stadtgebiet, sowie Vorankündiger z.B.: an der Haltestelle Stresemannallee/Gartenstraße

• Nur 130 Zeichen für die Info-Texte und keine Sondersymbole

 

50 Jahre U-Bahn feiert 50 Jahre Zugzielanzeiger

Bevor die Anzeiger digital wurden, waren sogenannten „Faltblatt“ und
“Rollbandanzeiger“ auf allen Stadtbahnlinien im Einsatz. Diese Anzeiger konnten zwar die Zugziele anzeigen, aber keine Ausfälle oder Störungen kommunizieren. Die ersten digitalen Anzeiger wurden 1992 auf der U7 zwischen Enkheim und Habsburgerallee im Betrieb genommen.

U2-Wagen am Südbahnhof, ca. 1986. Im Hintergrund ein analoger Zugzielanzeiger. Foto: Christian Diez
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8 Kommentare

  1. Sehr schöner Beitrag ! Könnt ihr auch einen Blogartikel über die Anzeigen in und außerhalb der U/Tram-Bahn machen ? Da gibt’s ja auch einige Typen. FG

  2. Hallo, erstmal vielen Dank für das Lob.
    Sie meinen sicherlich die außen angebrachten Zugzielanzeiger an den U- und Straßenbahnen? Zurzeit werden diese von der „Flip-Dot“ Anzeige auf „LED“ umgestellt. Die Innenanzeigen zur Stationsvorankündigung sind tatsächlich verschieden. Während in den U4, U5 und modernisierten R-Wagen die „LED-Matrix“ mit einer Laufzeile zur Anwendung kommt, werden in den S-Wagen die Haltestellen mit den Folgehalten nur am Fahrzeuganfang- und Ende anzeigt.
    In Zukunft sollen, analog zu den Bussen, Flachbildmonitore zur Haltestellenvorankündigung zum Einsatz kommen.

    1. Danke für die ausführliche Antwort !

      Werden wirklich alle Flip-Dot Anzeigen verschwinden ? Die sind zum Filmen praktisch 😂 .

      Von welcher Marke sind die Anzeigen und sind es Sonderanfertigungen oder Sieht man diese auch in anderen Städten ?

      1. Hallo,
        die Filp-Dot-Anzeigen werden auf den U4- und U5-Wagen Stück für Stück ersetzt.
        Es geht hier um die bessere Lesbarkeit der Anzeiger.
        Beim Fotografieren entstehen dann meist Striche, die eher an einen Barcode erinnern, als an eine Anzeige.
        Übrigens die Innenraumanzeige stammt von der Firma „LAWO.“

  3. 1. Ist die Technologie mit Bakes nicht veraltet? Warum können Züge ihre genaue Position nicht einfach per GPS und Internet an die Zentrale melden?

    2. Hat VGF nicht vor ihre Fahrpläne offen zu legen, damit die Daten durch Drittanbieter (Google & Co.) ebenfalls lesbar sind?

    1. Hallo,
      die Technik mit den „Baken“ ist nicht so veraltet, wie es den Anschein hat.
      Die Züge werden tatsächlich nach Eingabe von Linie/Kurs/Route GPS-Mäßig erfasst. Das sieht man auf diversen Nahverkehrsapps. Dort kann man den Verlauf des Zuges + etwaige Verspätung direkt ablesen.
      Für die Zuganküdigung auf den Anzeigern ist das System mit den Baken und Lesegeräten die beste Methode um Züge zu erfassen.

      Ob und wieweit es in Zukunft eine Offenlegung der Daten für Internetdienste gibt kann ich Ihnen nicht sagen.

      Beste Grüße und einen schönen Sonntag.

  4. In der Altstadt auf die U-Bahn ausweichen ist ja lustig. Der U-Bahnhof ist freundlicherweise seit Ewigkeiten gesperrt!

    1. Hallo,
      ja die Station Dom/Römer ist gesperrt. Dennoch sind die Stationen Willy-Brandt-Platz oder Konstablerwache fußläufig zu erreichen. Dies wird bei Störungen auf der Altstadtstrecke zusätzlich auf der VGF-Internetseite kommuniziert.

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