Fortsetzung folgt: Masken-Kontrollen in U-Bahn und U-Bahn-Stationen

Der Arzt habe ihr “verboten” eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. In der Bahn sei sie schon zweimal umgekippt, weil sie keine Luft bekomme. Nein, das Attest, das ihr bescheinigt, von der Pflicht, eine Maske – oder eben eine Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) – zu tragen entbindet, habe sie nicht dabei. Gleichwohl: Ein entsprechendes „Teil“ baumelt derweil ungenutzt am Handgelenk.

Für die Landespolizisten, die sich am 3. September an der gemeinsamen “Masken-Kontrolle” mit der VGF in U-Bahnen und U-Bahnstationen beteiligen, klingt das irgendwie vertraut. In der Tat haben sie das Recht, das Attest der alten Dame in der U-Bahn einzusehen, sie ihrerseits ist verpflichtet, diese Bescheinigung mitzuführen, was sie in diesem Fall nicht tut. Im Zweifel kann sie sie auch im Nachgang vorlegen, wenn die Anzeige eintrudelt, die die Polizei wegen des Verstosses gegen die Corona-Landesverordnung aufnehmen kann. Diesmal ergeht Gnade vor Recht, die Beamten belassen es bei der Ermahnung, das Attest bei sich zu haben, wenn sie künftig Busse und Bahnen nutzt.

Kulanz-Spielraum

Wie immer in Fällen, in denen Kulanz waltet: ob der oder die “Richtige” davon profitiert, ist ungewiß. So wie in der vergangenen Woche bei einer jungen Frau in der U2: Die zu diesem Zeitpunkt mit der VGF kontrollierenden Stadtpolizisten steigen an den vorderen Türen der U-Bahn ein, so daß sie, die weiter hinten sitzt, nur von einem VGF-Mitarbeiter ohne weitere Konsequenzen auf die fehlende Maske hingewiesen wird. Sie nimmt das ungerührt zur Kenntnis, kommt der Bitte aber nach. Kaum verläßt die Dienstgruppe an der nächsten Station den Zug, nimmt sie die Bedeckung wieder ab – ohne mit der Wimper zu zucken. Der betreffende VGF-Mitarbeiter, der das noch im Augenwinkel sieht – leider sind die Türen in dem Moment schon wieder geschlossen –, ärgert sich bis heute darüber, daß seine (Kunden-)Freundlichkeit derartig frech verspottet worden ist. Und er wird auf absehbare Zeit den Kulanz-Spielraum, den das Unternehmen ihm gibt, nicht ausschöpfen. Wer immer, vielleicht durch Pech oder unglückliche Umstände, in eine Situation kommt, in der er auf den “Goodwill” eines Fahrausweisprüfers oder eines Polizisten hofft und sich ärgert, daß die “Obrigkeit” stur nach Vorschrift vorgeht, kann sich bei Menschen wie der jungen Dame in der U2 bedanken.

Zurück zum 3. September: Die Kontrolle ist die bisher größte gemeinsame Aktion in Frankfurt. Rund 30 Beamte der Landespolizei, unter ihnen Bereitschaftspolizisten, sind mit der VGF unterwegs. Sieben Dienstgruppen, die neben den Polizisten aus Ordnungsdienst und Fahrausweis-Prüfdienst der VGF bestehen, sind an diesem Spätvormittag in der U-Bahn im Einsatz.

Betteln ums Bußgeld

Insgesamt gehen die Beamten wie oben beschrieben kulant vor. Wenn die Nase nicht bedeckt ist, was eine Mund-NASEN-Bedeckung eigentlich sinnlos macht, bleibt es meist bei einer Ermahnung. Tatsächlich könnten sie das in der hessischen Landesverordnung vorgesehene Bußgeld von 50 € auch in diesen Fällen erheben. Gerade Polizisten, die den Streifendienst gewohnt sind, wählen dagegen einen kommunikativen Ansatz. Wer es aber zu weit treibt, muß dann doch zahlen. Wie die junge Dame auf dem Bahnsteig in der Station “Südbahnhof”. Der Aufforderung eines Mitglieds des VGF-Ordnungsdiensts, die Maske aufzuziehen, kommt sie mürrisch und “gerade so” nach. Danach steht sie von der Sitzbank auf und schlendert Richtung Bahnsteigende, wo sie keinen Ordnungsdienst vermutet. Die Maske ist da schon wieder runter. Den Polizeibeamten ist das denn doch zu viel, wer so um die Strafe bettelt, dem wird an diesem Tag geholfen.

Frankfurts teuerster Fahrschein

Den Vogel schießt aber ein anderer Fahrgast ab: Er hat in der U-Bahn nicht nur auf die Mund-Nasen-Bedeckung verzichtet, sondern lässigerweise auch gleich auf einen Fahrschein. Macht zusammen 110 €, vermutlich die teuerste Einzelfahrt in Frankfurt, in dieser Form allerdings nicht am Automaten erhältlich.

“Beifang”

41 Verstöße gegen die Pflicht, in den U-Bahn-Zügen und auf den Bahnsteigen der unterirdischen Stationen Masken oder MNB zu tragen, nehmen die Dienstgruppen in rund zwei Stunden auf, eine kleinere Truppe aus VGF-Mitarbeitern und Stadtpolizisten hatte am Tag zuvor in der gleichen Zeitspanne 26 Verstöße notiert. Doch die Landespolizei findet nicht nur Maskenverweigerer: als “Beifang” nehmen die Beamten drei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz auf, in zwei Fällen ist die festgestellte Rauschgiftmenge so groß, daß die Beamten von Handel ausgehen, im dritten Fall ist es “nur” Besitz. Auch einen Fall von unerlaubtem Waffenbesitz registrieren die Beamten, gegen einen Maskenverweigerer lag ein Haftbefehl wegen Körperverletzung vor. Die Handschellen klicken noch im Zug.

Zeitaufwendig ist mitunter die Feststellung von Personalien, besonders wenn der überprüfte Fahrgast keine Dokumente dabei hat (oder dabei haben will?) und falsche Angaben zur Wohnadresse macht. Die kann die Polizei sofort prüfen, für den Mann ist die runterhängende Maske damit möglicherweise der Beginn von einer ganzen Menge Ärger. Und auch der Verweis auf seine bulgarische Muttersprache hilft ihm nicht: die VGF-Kollegin spricht Serbisch und kann sich damit recht gut mit ihm verständigen.

Ein ähnliches Bild bietet sich der Dienstgruppe aus Stadtpolizei und VGF, die noch am selben Tag zwischen 16 und 19 Uhr auf der “A-Strecke” (U1, U2, U3, U8) unterwegs ist: 43 Maskenverweigerer, die meisten auf den Bahnsteigen. Da auch hier der Fahrausweis-Prüfdienst beteiligt ist, fallen unter den Maskenverweigerern gleich neun Schwarzfahrer auf, für die der Spätnachmittag richtig teuer wird.

Vorbildfunktion

Für die VGF ist die absolute Zahl der registrierten Verstöße nicht die entscheidende Größe, um den Erfolg dieser Kontrollen zu messen. Es geht darum, Flagge und Präsenz zu zeigen. Und zwar nicht nur denjenigen, die sich über die Pflicht zum Tragen einer Maske oder einer MNB hinwegsetzen, weil sie glauben, für sie würde die Verordnung nicht gelten, sondern auch – und gerade – den anderen, die sich an diese Pflicht halten, auch wenn ein Stück Stoff vor Nase und Mund gerade im Sommer nicht unbedingt angenehm ist. Wie sollen VGF und andere Verkehrsbetriebe ihre Fahrgäste davon überzeugen, die bisweilen ungeliebte Maskenpflicht zu befolgen, wenn sie massenweise Verweigerer ohne Konsequenzen davon kommen lassen? Das Verhalten der frechen U2-Dame ist auch vor diesem Hintergrund fatal. Man würde sich freuen, wenn andere Fahrgäste sie auf ihr Verhalten aufmerksam machten, doch steht zu befürchten, daß die meisten derjenigen, die ihrerseits Masken tragen und sich über Maskenverweigerer ärgern, nicht einmal in diesem krassen Fall selbst das Wort ergreifen –vielleicht aus Scham, aus Angst vor Konfrontation oder aus dem Gefühl heraus, daß es nicht ihre Sache sei.

Weitere Kontrollen

Die VGF steht mit Landes- und Stadtpolizei in Kontakt, um gemeinsame Kontrollen zu verstetigen bzw. zu wiederholen. Auch Kontrollen zu anderen Zeiten, gerade im Abend- und Spätverkehr, werden geprüft. Hier ist die Zahl der Maskenverweigerer nicht nur höher, hier fährt auch ein unbestreitbares Konfliktpotential in den Bahnen mit. Niemand ist scharf auf Krach und Auseinandersetzung in U-Bahn-Zügen zwischen Polizei und VGF-Ordnungsdienst auf der einen und möglicherweise renitenten Maskenverweigerern auf der anderen Seite. Aber: Kann es sich unser Staat leisten, einen als wichtig erachteten Teil einer gültigen Landesverordnung nicht durchzusetzen, weil diese Durchsetzung vielleicht Konflikt und Ärger bedeuten könnte?

Die Frage ist, man merkt es, rhetorischer Art. Bei den bisherigen Kontrollen gab es wohl vereinzelt verbalen Protest, aber keine Zwischenfälle. Das lag auch am geballten Auftreten von Landes- und Stadtpolizei. Die mag einerseits nicht jedem Fahrgast geheuer sein, sie läßt aber andererseits keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Polizei. Und das ist auch aus Sicht der VGF gut so.

Wiederaufnahme der Stations-Kontrollen

Auch die Kontrolle von Fahrscheinen hat die VGF am 3. September wieder aufgenommen. Die erste Aktion, bei der über zwei Stunden die Fahrscheine aller aus- und zusteigenden Fahrgäste kontrolliert wurden, fand an der Station „Leipziger Straße“ statt. Ergebnis der ersten Prüfung seit dem „Corona-Lockdown“: 40 Schwarzfahrer wurden erwischt, das entspricht einer Quote von 5,2 %.

Die VGF wird diese Kontrollen, für die sie ein eigenes Hygiene-Konzept erstellt hat, fortsetzen.

Weitere Kontrolle 

Aktueller Nachtrag: Polizei und VGF haben vom 15. September an ihre gemeinsamen Masken-Kontrollen fortgesetzt. Dienstagvormittag und Donnerstagnachmittag war die Stadtpolizei beteiligt, Donnerstagvormittag die Landespolizei.

Bei dieser rund zweistündigen Kontrolle wurden 45 Verstöße festgestellt, in neun Fällen stellte der begleitende Fahrausweis-Prüfdienst der VGF auch noch das Fehlen eines Tickets fest, was das Ordnungsgeld von 50 € wegen Nichtragens der Maske um die 60 € des Erhöhten Beförderungs-Entgelts erhöhte. Die Landespolizisten stellten darüber hinaus zwei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetzt fest, eine Anzeige wurde wegen Beleidigung der Beamten aufgenommen.

Am Dienstag hatte eine kleinere Dienstgruppe mit der Stadtpolizei in zwei Stunden 17 Ordnungswidrigkeiten aufgenommen, ein Fahrgast war nicht nur ohne Mund-Nase-Bedeckung, sondern auch ohne Fahrschein unterwegs.

Polizei und VGF setzen die gemeinsamen Kontrollen der Maskenpflicht in Bahnen und unterirdischen Stationen fort.

Bernd Conrads
B.Conrads@vgf-ffm.de
5 KOMMENTARE
  • Jörg Preger
    Gepostet am 16:02h, 08 September Antworten

    Hallo,
    das scheint in der Linie 11 keine großen Auswirkungen zu haben.
    Zwei Fahrten gestern – 7.9.2020 – um 10:30 Schwedlerstraße bis Römer und 11:30 Römer bis Schwedlerstraße: Ca. 15-20% der Fahrgäste hatten kiene Maske auf oder diese am Hals hängen.
    Da fühlt man sich richtig sicher…..

  • B. Conrads
    Gepostet am 16:18h, 08 September Antworten

    Hallo, Jörg!

    Ja, da haben Sie leider Recht. Nachhaltige Wirkung funktioniert irgendwie anders. Aber was will man machen, wenn selbst ein freundlicher Hinweis, der dem Fahrgast 50 € spart, verhöhnt wird? In jedem Zug rund um die Uhr Begleitung? Klappt nicht. Und ich weiß auch nicht, ob das wünschenswert wäre.

  • Baumeister
    Gepostet am 12:54h, 10 September Antworten

    Heuchler gibt es überall. Auch bei den „Masken-Fans“, es sind jene, die im Urlaub ausgelassen, ohne Maske und Abstandsgebot feiern und sich, mangels Freizeitaktivitäten oder beruflicher Herausforderung, als „Masken-Polizei“
    betätigen. Es sind eben solche Personen, die sich gerne aufspielen, aber nur wenn es nicht um ihre eigenen
    Freiheitsrechte geht, sondern um die, der anderen. Aber wehe, man würde diesen Heuchlern, ihren Urlaub
    untersagen wollen. Irgendeine Institution oder Firma wird es schon geben, die sich instrumentaliseren lässt, von
    Heuchlern. Ja, es ist wichtig diese Regeln einzuhalten, ja der Virus ist gefährlich, aber daraus ein Staatsakt,
    eine Medienhetzkampagne zu machen, hilft niemandem.

  • Keppeler
    Gepostet am 15:42h, 10 September Antworten

    Naja die Straßenbahn 11 ist die mit Abstand krasseste Bahn die ich in diesem Zusammenhang erlebe. Ich fahre nur ÖPNV und in keiner anderen ist der Prozentsatz der Verweigerer so hoch! Die Kontrolleure geben sich auch mit nur Mundbedeckung zufrieden. Darauf angesprochen bekommt man zur Antwort sie würden sie sowieso gleich wieder runter ziehen. Aber Polizei habe ich in all der Zeit nicht einmal in der 11 erlebt! Die Stadt könnte in dieser Bahn ihre Kassen füllen. Leider werden schon Kinder frech, wenn man sie freundlich bittet die Maske auch über die Nase zu ziehen.
    Hier hilft nur Präsenz und Kontrollen mit Bußgeldern fürchte ich.

  • Giancarlo
    Gepostet am 20:46h, 23 September Antworten

    Maskenpflicht gilt für alle kein Kommentar

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