Brandschutz und Frischzellenkur für die „Konsti“

Typisch VGF! Die Decken reißen sie runter und dann lassen sie alles wie es is‘!

Ist es das wirklich? Oder ist es eher typisch, sofort vom totalen Stillstand der Baustelle auszugehen, wenn man mal keine Arbeiter sieht? Tatsächlich sind seit 13. März in der U-Bahnstation „Konstablerwache“ die nackten Betondecken zu sehen, nachdem auf der B-Ebene die rund einen halben Meter darunter aufgehängten Deckenpaneele abgenommen wurden. Aber eben keine Arbeiter. Und das aus gutem Grund: Um die 200.000 aus- und umsteigenden Fahrgäste von vier U-Bahn- sowie acht S-Bahn-Linien und die Ladenbesitzer mit ihren Kunden nicht übermäßig mit Dreck und Absperrgittern zu belästigen – ganz läßt sich das natürlich nie ausschließen –, arbeitet die VGF an der Ertüchtigung der Brandschutzeinrichtungen und der Neugestaltung der Decken nur in der Zeit von 20 bis 6 Uhr. Tagsüber ruht die Baustelle. Wegen der eingeschränkten Bauzeit dauern die Arbeiten damit auch länger: sie sind bis Ende des Jahres veranschlagt.

Verantwortlich für Planung und Ablauf der Arbeiten ist auf Seiten der VGF das Fachteam Brandschutz-Projekte, das zum großen Geschäftsbereich „Infrastruktur“ gehört. Neun Kollegen befassen sich in der Abteilung nicht „nur“ mit der brandschutztechnischen Nachrüstung in unterirdischen Stationen und Betriebsgebäuden, sondern auch mit Aufzugsnachrüstungen und Schadstoffsanierung. Zwei Stationen stehen beispielsweise noch auf dem 2004 begonnenen Nachrüstungsprogramm der VGF: in der Station „Eschenheimer Tor“ steht der Abschluß der Rohbauarbeiten bevor, so daß die eigentliche Aufzugstechnik eingebaut werden kann. Die Inbetriebnahme ist für Ende des Jahres vorgesehen. An der Station „Westend“ laufen noch immer umfangreiche Varianten-Prüfungen. Vier – mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen – stehen zur Wahl, gerade erarbeitet das Fachteam eine Zusammenfassung als Entscheidungsgrundlage für das Verkehrsdezernat.

Schadstoffsanierung wiederum ist nach den Osterferien ebenfalls an der „Konsti“ vorgesehen, wenn der TicketShop saniert und für acht bis zehn Wochen – je nach Sanierungsverlauf und -bedarf – geschlossen werden muß.

Brandschutzeinrichtungen werden von den Kollegen auch an anderen Stationen im VGF-Netz ertüchtigt. So stehen die entsprechenden Nachrüstungen an den Stationen „Bockenheimer Warte“, „Dom / Römer“, „Miquel- / Adickesallee“, „Schweizer Platz“ und „Südbahnhof“ auf dem Sachgebiets-Programm, darüber hinaus sogenannte Vorabmaßnahmen an nicht weniger als 17 weiteren unterirdischen Stationen.

 

Brandschutz-Ertüchtigung

Projektleiter an der Konstablerwache ist Wolfgang Hofmann. Erste Vorbereitungen für die jetzt laufenden Arbeiten in der B-Ebene begannen 2009. Als erstes musste Hofmann Ingenieurverträge erstellen, es folgte die Ausschreibung von Planungsleistungen. Von 2010 an begann diese Planung, erste Vorarbeiten konnten 2013 erfolgen. „Die Projektleitungs- und Bauherrenaufgaben nehme ich zurzeit alleine war“, beschreibt Wolfgang Hofmann seine derzeitige Arbeit, die sich fast nahtlos an die Brandschutz-Arbeitern in der benachbarten Hauptwache anschlossen. Diese sind inzwischen fast beendet. „Während der vorangegangenen Bauphasen in C- und D-Ebene hatte ich Verstärkung durch einen Kollegen, der Bauleitungsaufgaben übernommen hat.“ Diese Bauleitungsaufgaben seien bei diesem Vorhaben ausnahmsweise in Eigenleistung erbracht worden, so Hofmann weiter, wodurch flexibler auf die speziellen Anforderungen und Terminänderungen eingegangen, Synergieeffekte erzielt und Kosten eingespart werden konnten. Mit der Bauleitung für die jetzt laufende brandschutztechnische Nachrüstung und Neugestaltung der B-Ebene wurde wiederum ein Ingenieurbüro beauftragt, da solche Tätigkeiten eben nicht immer oder komplett von VGF-Abteilungen übernommen werden können. Auch andere Abteilungen der Infrastruktur sind in der Konstablerwache aktiv: „In den Sachgebieten ‚Nachrichtentechnik‘, ‚Licht und Kraft‘ sowie ‚Heizung, Klima, Lüftung und Sanitär‘ gibt es sogenannte Arbeitspaketverantwortliche, die für Ihr jeweiliges Fachgebiet Teilaufgaben der Projektleitung übernehmen“, so Hofmann weiter.

Die Kosten der umfangreichen brandschutztechnischen Nachrüstung in der gesamten Station – hier gab es in der vergangenen Jahren zum Beispiel auf den Bahnsteigen schon entsprechende Arbeiten – veranschlagt die VGF laut Hofmann auf rund 15 Millionen €. Im Zuge des jetzigen Projekts wird in der B-Ebene die gesamte Decke neu gestaltet. Dabei setzen Hofmann und seine Kollegen ein neues Konzept für die Lichtgestaltung um, bei dem besondere Lichteffekte an den Auf- und Abgängen die Orientierung der Fahrgäste in der Station unterstützen sollen. Dafür werden 3.200 Quadratmeter Deckenfläche ausgetauscht sowie rund 600 LED-Leuchten installiert. Erstes sichtbares Zeichen war die Abnahme der alten und nicht mehr sauberen Kunststoff-Paneele Mitte Februar, die drei Wochen in Anspruch nahm. Seitdem bleibt die Decke als sichtbares Zeichen der laufenden Arbeiten offen, die neue Verkleidung aus Streckmetall-Elementen, in der die genannten LED-Leuchten die alten Lichtbänder ersetzen, wird erst zum Schluß eingebaut.

Gearbeitet wird bis Jahresende auch an den Treppenaufgängen, wo ebenfalls neue Beleuchtung und neue Decken installiert werden. An diesen Stellen kann die VGF die Beeinträchtigung ihrer Fahrgäste nicht ganz vermeiden, denn jeder Aufgang wird nacheinander für drei bis vier Wochen gesperrt sein, wobei diese Sperrungen dann auch tagsüber andauern. Wegweiser zu den nächstgelegenen Zu- bzw. Abgängen bringt die VGF an den Bauzäunen an. Auch in einigen Ladenlokalen muß nachgerüstet werden, in den meisten geschah das aber schon im Zuge von Renovierungen in den vergangenen Jahren.

In Laufe der Bauzeit arbeitet die VGF auch an der sonst unter den Paneelen verborgenen Infrastruktur der Station, also an verschiedenen Leitungen für Lüftung, Wasser, Abwasser, Heizung sowie an Kabelanlagen für Energieversorgung und Beleuchtung. Diese Einrichtungen direkt unterhalb der Betondecke sind zwar vorhanden, werden aber ertüchtigt und durch zusätzliche Technik ergänzt. Neu eingebaut werden beispielsweise Brandmeldeanlagen und rund 100 Lautsprecher für mögliche Durchsagen der VGF-Betriebsleitstelle. Auf den Bahnsteigen der Linien U4, U5, U6 und U7 sind diese nach den oben genannten Arbeiten in den Vorjahren schon vorhanden.

„Frischzellenkur“

Mit der Brandschutzertüchtigung sind weitere Tätigkeiten verbunden, die zu einer kleinen „Frischzellenkur“ für die nicht mehr ganz junge Station führen: so wird unter anderem der Boden einer Tiefen-Reinigung mit spezieller Versiegelung unterzogen, die Wegeleit-Beschilderung wird erneuert, der Schilder-Dschungel dabei ein wenig gelichtet. Mehrere Werbevitrinen entfernt die VGF ersatzlos, um die B-Ebene aufzulockern und übersichtlicher zu machen, unter anderem neben dem Gemüsestand – hier ist die Vitrine für Brautmoden schon Vergangenheit – oder am nördlichen Zugang zu den Bahnsteigen von U4 und U5.

Auch NUK ist an den Arbeiten beteiligt: So wird die Gestaltung des provisorischen Lagerraums in der B-Ebene erneuert, denn weder seine freundliche gelbe Bemalung noch die großen Plakate unserer erfolgreichen Image-Kampagne haben „freundliche“ Zeitgenossen an Verschmutzung und Beschädigung gehindert. Vor dem südlichen Abgang zu den Bahnsteigen der U4 und U5 ist ein weiterer Raum in die B-Ebene eingezogen worden, der noch auf die entsprechende Verschönerung durch NUK wartet.

Die Arbeiten in der Station „Konstablerwache“ sind unumgänglich. Die Anlage wurde unter Berücksichtigung der damaligen Brandschutzvorschriften in zwei Schritten eröffnet: im Mai 1974 als Teil der „B“-Strecke (heute U4 und U5) vom Scheffeleck zum damaligen Theater-Platz und im Oktober 1986 mit der „C“-Strecke Zoo – Industriehof (heute U6 und U7). In den vergangenen Jahren hat die VGF verschiedene Bereiche der Station – Bahnsteige der U-Bahn, die nichtöffentlichen Räume und Flure, zum Teil auch die B-Ebene – kontinuierlich nachgerüstet und modernisiert: mit Sprinklern, Sicherheitsbeleuchtung, Brandmeldeanlagen und Brandschutzklappen.

Die umfassende Ertüchtigung und Neugestaltung der Verteilerebene schließt diese Arbeiten in dem innerstädtischen Knoten nun ab – ohne die Fahrgäste durch Baudreck und um Absperrungen herum laufen zu lassen. Mal sehen, wann das als „Typisch VGF!“ bezeichnet wird.

 

 

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