„A-Strecke“: Die eigene Welt des Schienenersatzverkehrs

„Schienenersatzverkehr“. Es gibt kaum ein Wort, das bei Fahrgästen im öffentlichen Verkehr verhasster ist oder größere Befürchtungen auslöst. Die Fahrt wird unübersichtlich, sie dauert länger, man muß umsteigen usw. Wenn Busse die gewohnten U- oder Straßenbahnen vorübergehend ersetzen, weil unvermeidliche Bauarbeiten die Strecke unpassierbar machen, kann viel schiefgehen: die Beschilderung der Busse ist nicht eindeutig, die Fahrer geben nur unzureichend Auskunft, Info-Personal ist nicht da, wenn oder wo man es braucht, die Haltestellen oder -positionen der Ersatzbusse entlang der Stationen sind gewöhnungsbedürftig. All das war zu Beginn des Gleisbaus zwischen Hügelstraße und Weißer Stein vom 1. Juli an zu beobachten und zu erleben. Es gab also für die VGF jede Menge Arbeit, um nachzubessern, wobei sich die zentrale Frage stellt, ob zumindest einige der Anlaufschwierigkeiten nicht hätten vermieden werden können? Es ist ja nicht der erste „SEV“, also „Schienenersatzverkehr“, den wir auf die Beine stellen.

Wir möchten daher in diesem Beitrag einige Aspekte des SEV sowie Kritik und Anregungen unserer Kunden aufgreifen, erläutern und, wer weiß, vielleicht sogar Unverständliches verständlich machen. Heraus gekommen ist beinahe eine kurze FAQ-Liste:

Typisch! Mal wieder keine Informationen.

Stimmt nicht. Es gab am 22. Juni eine ausführliche Presse-Information, die von allen relevanten Tageszeitungen der Stadt aufgegriffen wurde, und noch heute auf der Homepage der VGF unter

https://www.vgf-ffm.de/de/aktuellpresse/news/einzelansicht/news/gleisbau-im-juli/

zu finden ist. Eine Woche vor der Sperrung hat die VGF darüber hinaus in den Bahnen der betroffenen Linien Flyer an die Fahrgäste verteilt, an allen Stationen wurden die bekannten „Gelben Schilder“ montiert, die auf Sperrung und alternative Linien hinweisen und die jeder Fahrgast, sobald sie entlang seiner Strecke auftauchen, beachten sollte. Lautsprecher-Durchsagen und Hinweise auf den Bildschirmen der Dynamischen Fahrgast-Informationen (DFI) kündigten Arbeiten, Sperrung und Ersatzverkehr an. Insgesamt hat die VGF sämtliche ihr zur Verfügung stehenden Kanäle zur Kommunikation genutzt – inklusive der Sozialen Medien.

Und tut das weiterhin. Wer heute am Willy-Brandt-Platz eine U1 Richtung Norden nehmen will, findet besagte „Gelbe Schilder“, Laufschrift – zum Teil blinkend – auf den DFI und er hört in regelmäßigen Abständen Lautsprecher-Durchsagen am Bahnsteig. Auch im Zug gibt es kurz vor der provisorischen Endstation „Hügelstraße“ Durchsagen zum SEV.

An der Hügelstraße selbst – die Bahn ist übrigens auf ihrem Weg nicht wesentlich voller geworden – weisen diverse „Gelbe Schilder“ am Bahnsteig-Geländer und an den Zugängen zur Unterführung den Weg zur Haltestelle der Nachtbuslinie n3, an der die SEV-Busse halten. Auch Service-Personal der VGF ist im Einsatz.

Warum müssen alle Baustellen immer gleichzeitig sein?

Man hätte doch erst die Straße, dann die Gleise machen können. Stimmt. Aber dann würde jeder über die endlose Dauerbaustelle schimpfen, weil sich die Belastung besonders für Anwohner und Geschäftsanrainer noch länger hinziehen würde. Diese Belastungen sollen aber so kurz und gering wie möglich sein, also würde die vorwurfsvolle Frage lauten: „Warum macht Ihr nicht alles in einem Aufwasch, wenn Ihr doch eh schon mal dabei seid?“

Im Fokus der VGF stehen ohnehin die Fahrgäste. Je weniger betroffen sind, desto gut. Eine große Störung, wie sie die Gleisoperation am Rückgrat der Frankfurter U-Bahn verursacht, ist nur in den Ferien möglich, wenn nicht so viele Fahrgäste unterwegs sind. Außerhalb der Sommerferien, unter Volllast, wäre diese notwendige Sanierung nicht machbar.

Es sind zu wenig Busse unterwegs, die Kapazität reicht nicht.

Nach unseren Beobachtungen: doch, tut sie. Zwischen Südbahnhof und Hügelstraße sind zur Hauptverkehrszeit neun Vier-Wagen-Züge im Einsatz, die auf dem Teilabschnitt einen 5-Minuten-Takt fahren. Die Züge – Fassungsvermögen jeweils rund 750 Passagiere – verkehren seit Baubeginn nach Plan, in beiden Richtungen sind sie auch werktags nicht einmal zu einem Viertel gefüllt.

Der Busersatzverkehr fährt im gleichen Zeitraum – ebenfalls im 5-Minuten-Takt – mit neun so genannten Doppelkursen. D.h.: pro Abfahrt kommen zwei Busse hintereinander, somit sind zur Hauptverkehrszeit 18 Ersatz-Busse zwischen Hügelstraße und Heddernheimer Landstraße auf der Straße. Von diesen Bussen sind einzelne, das stimmt, sehr voll, was aber oft der Tatsache geschuldet ist, daß Fahrgäste dem Hinweis von Fahrgastbetreuern keinen Glauben schenken, daß der an hinterer Position fahrende Bus ebenfalls zum SEV gehört und man hier ebenfalls einsteigen darf. Folge: Alle quetschen sich lieber in den führenden Bus, sein Nachfolger fährt hinterher, aber leider leer.

Wären mehr Busse überhaupt sinnvoll? Der 5-Minuten-Takt macht lange Wartezeiten zumindest in der Hauptverkehrszeit selten. Mehr als 18 Busse auf der SEV-Strecke über die „Eschersheimer“ würde bedeuten, daß der Verkehr auf der in den Baustellenbereichen stark belasteten Straße noch dichter würde. Und Busse, die Stoßstange an Stoßstange im Schritttempo durch Eschersheim kriechen, bringen Fahrgästen nicht viel.

Die Abfahrt verzögert sich, weil die Türen nicht zugehen!

Da jeder in den ersten Bus steigt, läßt sich das leider nicht verhindern und kann an jeder nachfolgenden Haltestelle auftreten. Die Fahrt dauert deshalb auf alle Fälle länger als sie müßte. Ein anderer Grund könnte aber auch die Service-Orientierung der Busfahrer sein…

Was sind denn das für bunte Busse?

Eine Patchwork-Flotte, denn die Fahrzeuge kommen von mehreren verschiedenen Unternehmen. Das erklärt auch ihre unterschiedliche Ausstattung, die vor allem an den Zielanzeigern deutlich wird. Aus technischen Gründen – nicht alle Busse verfügen über moderne Fahrzielanzeiger, die programmiert werden können – fuhren zunächst einzelne Fahrzeuge nur mit der Aufschrift „Schienenersatzverkehr“, was gerade in Heddernheim nicht zur Orientierung beitrug. Hier hat die VGF fieberhaft nachgebessert bzw. nachbessern lassen. Hier gleich zu Beginn des SEV alles richtig vorbereitet zu haben, ist kaum möglich, denn die Busse, die letztlich zum Einsatz kommen, sehen wir erst unmittelbar vor Betriebsbeginn.

Und erleben dann auch Überraschungen: So wurden ausschließlich Gelenkbusse bestellt, ein Subunternehmer fährt aber kürzere Solo-Busse. Was tun? Ablehnen? Wollen wir nicht? Dann fallen diese Busse aus, denn Gelenkzüge stehen offensichtlich nicht zur Verfügung. Und im Übrigen: Die genannten Fahrzeuge sind als Überlandbusse bequem, haben eine erstklassige Klimaanlage und eine fehlerfreie Zielbeschilderung. Nein, die schicken wir nicht zurück.

Kann das nicht ein Busunternehmen machen?

In der Hauptverkehrszeit sind 18 Busse im Einsatz, benötigt werden, um alle Dienste zu füllen, insgesamt rund 54 Fahrer. Kein Unternehmen hat so viel sonst nicht genutztes Personal und Material auf dem Betriebshof und wartet nur darauf, einen Monat in Frankfurt Ersatzverkehr zu fahren. Was geschähe mit dieser „Reserve“ in den anderen elf Monaten des Jahres?

Also stellen mehrere private Omnibus-Unternehmen Fahrer und Busse zur Verfügung, was den SEV in jeder Hinsicht bunt, aber die Vorbereitung – ggf. Fahrerschulung oder Kontrolle der Zielbeschilderung – eben auch schwierig macht. Das ist der Grund, warum die VGF im Laufe der ersten SEV-Tage an Stellen nachbessern mußte, von denen man auf den ersten Blick an nimmt, daß das als Selbstverständlichkeit gleich von Anfang an geregelt ist.

Die Beschilderung der Busse ist uneinheitlich.

Ein Mysterium. So scheint es. Da kommt zum Beispiel ein Bus zur Hügelstraße, korrekt mit gut leserlichen Wechselschildern an der Windschutzscheibe, die der Fahrer auch brav getauscht hat. Aber im Zielanzeiger steht: „LEERFAHRT“. Er könne das, so der Fahrer, nicht ändern. Ein anderer Bus hat sein Ziel korrekt im Anzeiger, als Linie nennt er aber die U2, die zwischen Südbahnhof und Hügelstraße bzw. Heddernheim nicht fährt. In beiden Fällen müssen die Anzeigen vom jeweiligen Betreiber der Busse neu programmiert werden, worum die Fahrer heute von uns gebeten wurden.

„Heddernheim“ auf den U1-Zügen ist irreführend.

Ja, ein wenig. Wer am Südbahnhof in eine so beschilderte U1 steigt, wähnt sich ohne Unterbrechung auf dem Weg zum Ziel. Der Umstieg in die Ersatzbusse an der Hügelstraße kommt vielleicht überraschend. Wäre „Hügelstraße“ als Ziel also besser? Nein, dann würde jeder fragen „Und wie komme ich nach Heddernheim?“ Bei der einen wie der anderen Lösung kommen Fragen auf, die perfekte Antwort gibt es hier nicht.

Sind Haltepositionen der Busse an der Station „Heddernheim“ unklar?

Nicht mehr, aber zu Beginn des SEV. Hier steigen die Fahrgäste um, die mit U2 und U3 aus Nieder-Eschbach bzw. Oberursel kommen und in die Innenstadt wollen. Bemängelt wurde zunächst die unübersichtliche Halteposition der SEV-Busse – die Busse Richtung Südbahnhof und die in Gegenrichtung Heddernheimer Landstraße hielten nahe beieinander und waren nicht leicht zu unterscheiden. Zumal ihre Beschilderung in den ersten Tagen nicht optimal war.

Wir haben hier mehrfach reagiert: Zum einen wurden genaue Haltepositionen der in verschiedene Richtungen fahrenden SEV-Busse festgelegt – die zum Südbahnhof halten vorne, die Richtung Heddernheimer Landstraße an der hinteren Position. Zum anderen wurden die Schilder, die diese genauen Haltepositionen anzeigen, durch neue und gedruckte Exemplare ersetzt. Die handschriftlichen Texte, die moniert wurden, waren nur eine Übergangslösung.

Warum „Bus-Kuscheln“ an der Heddernheimer Landstraße?

An der Station „Heddernheim“ stehen immer mal wieder viele Fahrgäste, aber Richtung Südbahnhof kommt zunächst kein Bus. Vier davon stehen stattdessen am nördlichen Wendepunkt der SEV-Strecke und machen Pause. Das ist für den Fahrgast zwar unschön, aber o.k., denn Pausen sind gesetzlich vorgeschrieben. Und an keiner anderen Stelle der Route möglich.

Der Bus fährt mir vor der Nase weg?

Kommt leider vor. Die Abfahrt der SEV-Busse ist mit dem U-Bahn-Fahrplan getaktet. Das kann in der Praxis in Unordnung geraten, zumal der Busverkehr auf der Straße ganz anderen Störfaktoren ausgesetzt ist, als die kreuzungsfreie U-Bahn. Tatsächlich sollen sowohl die U-Bahn- als auch die Busfahrer ihren Fahrplan einhalten. Fährt also wirklich mal ein Bus vor der Nase weg – was in allen Fällen ärgerlich ist –, kommt der nächste in rund fünf Minuten. Was geschähe, wenn die Fahrer kundenfreundlich jeden Ersatzbus aus Heddernheim oder alle Bahnen vom Südbahnhof abwarten würden? Fahrplan und Taktung wären schnell geschreddert, im Zweifel würden mehr Busse leer fahren, andere wiederum übervoll.

Wer übrigens einen Blick auf das Titelbild dieses Beitrags wirft, kann erkennen, wie genau der Busfahrer die aus der U-Bahn kommenden Fahrgäste im Rückspiegel im Blick hat. Und zwar nicht, um im nächsten Moment hämisch grinsend abzufahren, sondern abzuwarten, bis sie über die Straße gegangen und in seinen Bus eingestiegen sind.

Der Fahrer kann keine Auskunft geben?

Busfahrer sind rar. Und wir brauchen, wie geschrieben, 54 davon. Die hier eingesetzten sind überwiegend keine VGF-Mitarbeiter und viele kommen nicht aus Frankfurt. Diese Kolleginnen und Kollegen im Vorfeld nicht nur umfassend zu schulen, ihnen unter Umständen eine Tarifschulung angedeihen zu lassen, sondern auch noch hilfreiche Ortskenntnisse zu vermitteln – viele Fahrgäste fragen bei Einstieg nach Straßennamen – ist in der Praxis so gut wie unmöglich.

Übrigens: Werktags werden zehn SEV-Dienste von VGF-Fahrern besetzt, die sonst U- oder Straßenbahn fahren, aber über eine gültige Fahrerlaubnis für den Bus verfügen. Aber auch unsere Kollegen wissen nicht unbedingt, daß man am Lindenbaum aussteigen muß, um zur Kleinschmidtstraße zu kommen.

„Einmal Einzelfahrt, bitte!“

Geht nicht in den Ersatzbussen, wie immer werden dort keine Fahrscheine verkauft. Zum einen fahren Busse unterschiedlichster Unternehmen, die schlicht nicht über die dazu notwendige Frankfurter Verkaufstechnik verfügen – Nachrüstung für einen Monat SEV wäre unwirtschaftlich –, zum anderen verfügen die Fahrer nicht über die ebenfalls notwendige Tarifschulung. Auch die ist im Vorfeld schlicht nicht zu leisten.

Wer sich jetzt in einer U1 an der Hauptwache „ohne“ erwischen läßt und meint, er kommt mit einem flockigen „Der Typ im Bus wollte mir kein Ticket verkaufen“ davon, irrt. Zum einen hätte er – zumindest an der Heddernheimer Landstraße oder in Heddernheim – vor Fahrtantritt einen der Fahrscheinautomaten nutzen können, zum anderen hätte er sich spätestens beim Umstieg an der Hügelstraße ein Ticket ziehen können – und müssen.

Fahrräder im Ersatzbus. Muß das sein?

Muß es nicht, darf es aber. Die Fahrrad-Mitnahme ist in Frankfurter Bussen erlaubt und kostenfrei, auch im Ersatzverkehr. Was soll man also machen, wenn Radler im Sommer klimatisierte Busse der eigenen Pedalkraft vorziehen? Vorrang haben wie immer Fahrgäste im Rollstuhl und mit Kinderwagen, aber Stress mit anderen Passagieren oder dem Fahrer zu diesem Thema läßt sich nicht immer vermeiden.

Ist zu wenig Informations-Personal im Einsatz?

Manchmal gilt eben doch: viel hilft viel. Bei informiertem Info-Personal ist das der Fall, Fahrgäste fragen eben lieber Menschen, als daß sie Hinweisschilder studieren. Aber leider hat die VGF nicht unbegrenzt Mitarbeiter zur Verfügung, um jede Beschwerde dieser Art zu entkräften. Trotzdem versuchen wir so viele Kolleginnen und Kollegen wie möglich an den Schwerpunkten Hügelstraße, Heddernheim und Heddernheimer Landstraße einzusetzen.

Allerdings ist auch zu beobachten: Am fünften Tag geht der Informations-Bedarf der Fahrgäste zurück, das Umsteigen von Bahn in Bus und umgekehrt schleift sich ein, die zunächst ungewohnten Wege werden zur Routine. Bei den meisten Fahrgästen handelt es sich eben um Stammkunden, die stets dieselben Strecken fahren und sich schnell anpassen können.

Aktuelle Informationen im Internet

Informationen zu den Bauarbeiten und wie Sie Ihr Ziel doch erreichen können, finden Sie unter

https://www.vgf-ffm.de/de/aktuellpresse/news/einzelansicht/news/gleisbau-im-juli/

bzw.

https://www.vgf-ffm.de/de/aktuellpresse/news/einzelansicht/news/gleisbau-wie-windeln-die-u-bahn-gleise-fit-fuer-den-betrieb-von-morgen-machen/

auf unserer Homepage.

 

 

 

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1 Kommentar

  1. Also ich kann nur lobend den SEV in Oberrad erwähnen. Nette und dazu noch hübsche Busfahrerinnen und auch die männlichen Kollegen sehr freundlich. Die Türen werden nochmal geöffnet – alles im grünen Bereich. Ein dickes Lob an die Kolleginnen und Kollegen aus dem Schwarzwald die zwischen OF-Stadtgrenze und Sachsenhausen den SEV stemmen!

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