„U5“-Mittelteile: VGF vergrößert ihre U-Bahnflotte

Mit 224 Fahrzeugen bildet er das Rückgrat des Frankfurter U-Bahnsystems: der Typ „U5“.

Hersteller der Fahrzeuge ist Bombardier Transportation (BT), die inzwischen zur Alstom-Gruppe gehören. Es handelt sich um Fahrzeuge der „Flexity Swift“-Familie, die – wie alle U-Bahnen in Frankfurt – allerdings eine eigene Typen-Bezeichnung bekommen haben: Als Mitte der 60er Jahre bei Siemens Duewag zwei Prototypen für die im Bau befindliche neue U-Bahn beschafft wurden, erhielten sie als erste Frankfurter U-Bahnwagen die Bezeichnung „U1“. So ging es weiter, die Bombardier-Bahnen waren die fünfte Fahrzeug-Generation, die für das Frankfurter Netz beschafft wurde. Sie sind heute als „Zweirichter“ und „Einrichter“ (also mit zwei bzw. mit einer Fahrerkabine, letztere dann mit einem Pendant kurz gekuppelt) auf allen neun U-Bahnlinien im Einsatz: als Zwei-, Drei- oder Vierwagen-Züge.

Unklare Rahmenbedingungen

2020 und 2021 haben sich die Bedingungen, unter denen die VGF ihre Mobilitätsdienstleistung anbietet, drastisch verändert. Nicht das Angebot, das hat – von einer kurzen, aber zurück genommenen Anpassung im Frühjahr 2020 abgesehen – wieder den vollen Umfang. Aber die Auswirkungen der Pandemie sind an den Fahrgastzahlen ablesbar: Die VGF wurde am 1. August 1996 gegründet. Am Ende des ersten kompletten Geschäftsjahrs, 1997, nutzten 137,4 Millionen Fahrgäste die U- und Straßenbahnen der „neuen“ VGF. 2019 waren es 202,5 Millionen. Der kontinuierliche Anstieg wurde dann 2020 durch das Corona-Virus abrupt gebremst: 119,8 Millionen.

Wie es weitergeht, weiß niemand: Kommen die Fahrgäste, die jetzt fehlen, schnell wieder zurück? Wirken sich dauerhaft implementierte Home-Office-Regelungen unserer Job-Ticket-Kunden langfristig nachteilig auf die Fahrgastzahlen aus? Nur eines ist klar: Klimawandel – den es zu verhindern gilt – und Mobilitätswende – die es einzuleiten gilt – verschwinden nicht von der Agenda, sondern sind als Gefahren bzw. Herausforderungen größer denn je. Damit steigt auch die Bedeutung der VGF als Verkehrsdienstleister, denn moderne und nachhaltige Mobilität ist ohne sie nicht möglich.

Ausbau der U-Bahnflotte

Die Rahmenbedingungen sind also diffus.  Trotzdem: Um allfälligen An- und Herausforderungen in der Zukunft gerecht zu werden, vergrößert die VGF vom 9. Juli 2021 an Frankfurts Bahn-Flotte: bis Ende 2022 wird die VGF 23 neue Fahrzeuge erhalten. Die ersten zwei Exemplare wurden Anfang Juli 2021 ausgeliefert.

Die Fahrzeuge sind Mittelteile der genannten Baureihe „U5“ Sie bieten 48 Sitz- und 136 Stehplätze, sind 25 Meter lang, haben drei Drehgestelle, von denen zwei angetrieben sind, ein Gelenk in der Mitte, sind klimatisiert und verfügen über einen eigenen Stromabnehmer.

 

Herausforderndes Konzept

Soweit, so bekannt. Aber wo bei „normalen“ U-Bahnen die Fahrerkabinen sind, befinden sich bei den Mittelwagen Übergänge mit Faltenbalgen und Notfahrerständen. Die größte Herausforderung für den Hersteller lag darin, alle Komponenten, die gewöhnlich in den Fahrerkabinen untergebracht sind, in die Übergänge an den Köpfen zu integrieren. Denn: Mit den zwei Notfahrerständen sind die Fahrzeuge fahr- und rangierfähig, schließlich müssen sie auch autonom auf den Betriebshöfen bewegt werden. Eigentlich sind die Mittelteile aber dazu vorgesehen, in bestehende Zugverbände integriert zu werden und die Bahnen auf 75 bzw. 100 Meter Länge zu verlängern. Ein so zusammen gestellter 75 Meter-Zug bietet 140 Sitz- und 432 Stehplätze, ein 100 Meter-Verband 186 Sitz- sowie 580 Stehplätze. Durch die Kurzkupplungen sind diese Bahnen durchgängig und auf ganzer Länge begehbar. Das gibt ein neues Raum- und Fahrgefühl in der Frankfurter U-Bahn.

Um diese Integration möglich zu machen, entsprechen die Sechsachser in Technik, Ausmaßen und Ausstattung den älteren Exemplaren des „U5“-Typs, mit denen sie gekuppelt werden können. Als Hochflurfahrzeuge ist ihr Boden 87 cm über der Schienenkante, sie benötigen zum barrierefreien Ein- und Ausstieg wie alle U-Bahnen in Frankfurt entsprechend ausgebaute Bahnsteige. Vier breite Türen pro Seite sorgen für einen schnellen Fahrgastwechsel.

Einsatz auf U4 und U7 von Dezember an

Die VGF erhöht mit den Mittelteilen einfach und wirtschaftlich die Kapazität ihrer Züge, denn sie kann auf eine im Betrieb bewährte und kontinuierlich weiter entwickelte Fahrzeuggeneration zurückgreifen. Anpassungen an Stationen oder Werkstätten sind nicht nötig. Geplant ist der Einsatz von acht Vier-Wagen-Zügen (Länge: 100 Meter) und sieben Drei-Wagen-Zügen (Länge: 75 Meter) vom Betriebshof Ost aus auf den Linien U4 und U7. Die VGF wird diese 15 Zug-Verbände nach Möglichkeit nicht auseinander kuppeln, sondern in unveränderter Zusammenstellung im Einsatz halten.

Die beiden ersten Fahrzeuge haben – als „motorisierte Beiwagen“ bezeichnet – die Nummern 1951 und 1952 erhalten. Die VGF unterzieht sie in den kommenden Wochen einem sogenannten Typ-Test, da sie mit einer neuen Software ausgeliefert wurden. Nach erfolgreicher Prüfung sollen weitere Fahrzeuge in einem 14-Tages-Rhythmus geliefert werden; zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen die ersten Züge mit Mittelteilen dann im Fahrgasteinsatz sein.

 

Bernd Conrads
B.Conrads@vgf-ffm.de
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