U5-Verlängerung: Der Mammut-Bohrer kommt

84 Meter lang, 580 Tonnen schwer – und ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Der gigantische Tunnelbohrer für die Verlängerung der U5 ins Europaviertel ist wahrlich beeindruckend. Nun wurden die ersten Teile der Maschine auf die Baustelle geliefert. Doch das ist erst der Anfang.

Befestigt an dicken Seilen schwebt das erste Teil der Tunnelvortriebsmaschine (TVM) über die Baustelle auf der Europaallee. Behutsam lenken ein Kran und ein Seilbagger das Subaru-Vista-farbene Schneidradzentrum gemeinsam auf den Ablageort im westlichen Baustellen-Teil. Präzisionsarbeit!
In der Nacht vom 18. auf den 19. März war das 7,1 Meter hohe und 49 Tonnen schwere Teil angekommen. Per Schwertransporter aus dem Herrenknecht-Werk in Schwanau in Südbaden. Das Unternehmen hat die TVM eigens für den Einsatz in Frankfurt entwickelt. Ein Unikat also und die erste vollautomatische Tunnelvortriebsmaschine in Frankfurt überhaupt.


VIDEO: Frankfurts Bohrer-Unikat. Besichtigung im Herrenknecht-Werk in Schwanau im Januar 2018


8 Sondertransporte und 43 LKW

In den nächsten Tagen folgten ein Container mit Schneidradzubehör und die beiden Seitenteile des Schneidrads. Außerdem der dreiteilige Schildschwanz, der Antrieb der Maschine und die Förderschnecke, sowie das Erektortragkreuz und der Erektor. Die sind später in der Maschine zuständig für die Montage der Tübbinge, die Außenteile des Tunnels.


FOTOS: Die Teile kommen


In den kommenden Wochen werden nach und nach alle rund 150.000 Einzelteile der Maschine ankommen – verteilt auf acht Sondertransporte und 43 LKW.

Montage vor Ort

Auf der Baustelle werden die einzelnen Komponenten dann Schritt für Schritt wieder zusammengebaut. Sechs bis zehn Arbeiter/innen sind pro Schicht dafür nötig. Als erstes werden Schneidrad und Schildmantel miteinander verschweißt. Die Nachläufer, der hintere Teil der TVM, werden noch nicht verbunden, sondern auf der Baustelle nur vormontiert und erst in der Startbaugrube final zusammengesetzt. Voraussichtlich im Mai.


Der Mega-Bohrer besteht aus 150.000 Einzelteilen.


Zwei Tunnelröhren

Sobald alles zusammengesetzt ist, kann der Vortrieb starten. Bohr-Start ist für Spätsommer 2019 geplant. Die TVM bohrt zwei Tunnelröhren, die die Strecke der Linie U5 über den Hauptbahnhof hinaus nach Westen verlängern. Etwa zehn Meter am Tag wird der Bohrer dabei zurücklegen. Das Auffahren der beiden Tunnelröhren wird laut Plan ca. zwölf Monate dauern. Hinzurechnen muss man neben der Dauer für das Montieren der Maschine auch das Zurückziehen der TVM aus der ersten Röhre und das Umsetzen für die Herstellung der zweiten Röhre.


VIDEO: So gräbt sich der Bohrer durch die Erde (U-Bahnbau in Barcelona)


Start in 17 Metern Tiefe

Klar zu erkennen: die beiden fertigen Steifenlagen in der Startbaugrube

Die Grube, von der aus der Mammut-Bohrer starten wird, befindet sich im östlichen Bereich der Europa-Allee. Nach umfangreichen Kampfmittelsondierungsarbeiten startete im Januar der Aushub. Die erste Steifenlage wurde in sechs Metern Tiefe betoniert, die zweite in 13 Metern. Als nächstes werden weitere vier Meter ausgehoben und die Sohle ebenfalls betoniert. Die zweite Steifenlage wird im Anschluss zurückgebaut, bevor dann die TVM eingesetzt werden kann.

Zum Platz der Republik und zurück

Von der Startbaugrube aus bohrt sich die Maschine dann in Richtung Osten durch den Frankfurter Untergrund. Sie durchquert die zukünftige Station „Güterplatz“ und bohrt sich ihren Weg zwischen Hohenstaufenstraße und Mainzer Landstraße bis zum schon bestehenden Anschluss unterhalb des Platz der Republik. Dann wird die Maschine in Teilen wieder abgebaut und durch den Tunnel zum Ausgangspunkt zurückgezogen – bevor sie ein zweites Mal auf die Reise geht und auch die südliche Röhre bohrt.

Die TVM bohrt sich von der Startbaugrube im Boulevard Ost nach Osten bis zum Platz der Republik.

 

Ganz nah dran

Die Verlängerung der U5 ins Europaviertel mit vier neuen Stationen und einer Gesamtstrecke von 2,7 Kilometern ist eines der spannendsten Bauprojekte Frankfurts. Wer mehr zu den Bauarbeiten wissen möchte und alle aktuellen Entwicklungen verfolgen will, der kann sich auf der Website der SBEV informieren.

Elisa Hörst
e.hoerst@vgf-ffm.de
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