Die VGF und ihre Fahrtreppen

Was ist der Unterschied zwischen einer Fahrtreppe und einer Rolltreppe? Die eine fährt, die andere rollt? Nein, nicht ganz. Aber dazu später.

Fahrtreppen, wie sie bei der VGF genannt werden, sind Individualisten. Fast alle Anlagen sind Spezialanfertigungen, da sich auch die Räumlichkeiten, in die sie eingebaut werden, selten ähneln. Eine tiefliegende Station wie „Dom / Römer“, in der sich die längste Fahrtreppe der VGF befindet, gibt es im System nicht noch einmal. Diese Anlage überwindet eine Stockwerkshöhe von 12,6 Metern und hat nicht weniger als 158 Stufen. Im Durchschnitt sind die VGF-Treppen 17 bis 18 Jahre alt. Die ältesten Fahrtreppen in unserem Streckennetz laufen in den Stationen entlang der „B-Strecke“ (U4 und U5) Richtung Norden. Die Stationen zwischen Konstablerwache und Seckbacher Landstraße gingen am 31. Mai 1980 in Betrieb, nach den VGF-Unterlagen sind die Treppen der Station „Höhenstraße“ mit Baujahr 1979 und 37 Jahren die ältesten im System. Die jüngsten Treppen wurden im Jahr 2015 eingebaut: an der Station „Konstablerwache“, die Fahrtreppen 29 und 30, die den S-Bahnsteig mit dem Bahnsteig der U4 und U5 Richtung Seckbacher Landstraße verbinden.

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 Historie

Roll- oder Fahrtreppen sind Standard in unterirdischen U-Bahn-Stationen, auch in Frankfurt. Sie sind Personenbeförderungsmittel, bei dem sich bewegende Metall- oder (zuerst) Holzsegmente Treppenstufen bilden. Ihr Zweck ist eine Beförderung von Menschen über eine unterschiedlich große Höhendistanz – und zwar schneller als in Schrittgeschwindigkeit und natürlich ohne körperliche Anstrengung.

Diese inzwischen vertrauten Anlagen sind etwas mehr als 120 Jahre alt. Die erste Fahrtreppe wurde 1895 als Attraktion in einem Vergnügungspark auf Coney Island betrieben – eine Erfindung des Amerikaners Jesse Reno, der am 15. März 1892 das beantragte Patent bekommen hatte. Seine Erfindung bestand aus einem Gummischrägband mit Holzplatten, es war also mehr ein schräges Förderband.

Als eigentlicher Erfinder der Fahrtreppe gilt laut Wikipedia-Eintrag George A. Wheeler, der sein Patent fünf Monate nach Reno erhielt. Den Durchbruch zu kommerzieller Nutzung schaffte er aber nicht selbst. Der kam zur Weltausstellung 1900 in Paris. In den USA begann die Rolltreppe in Kaufhäusern und vor allem in U-Bahnhöfen ihren Siegeszug. Eine Anlage in der heute üblichen Form wurde erstmals 1920 von der Otis Elevator Company gebaut. Die erste Rolltreppe in Deutschland – und die zweite auf dem europäischen Festland, die Engländer waren da schon weiter – fuhr am 11. Juli 1925 im Kölner Kaufhaus „Tietz“ an der Hohe Straße, dem heutigen „Kaufhof“ an selber Stelle.

269 VGF-Fahrtreppen

Mit den Erfindungen von Reno und Wheeler haben die 269 Fahrtreppen, die die VGF in 27 unterirdischen Stationen in Frankfurt betreibt, wenig zu tun. 26 von ihnen laufen im fahrgastabhängigen Betrieb, das heißt: Die Treppen fahren in beide Richtungen, je nach dem, von welcher Seite sie angefordert werden, was zumeist durch einen Kontakt in der Bodenplatte ausgelöst wird. Sinnvoll sind solche Anlagen, wo nur eine Fahrtreppe oder nur ein Aufgang vorhanden ist. Die erste Anlage dieser Art haben wir 2005 in der Station „Willy-Brandt Platz“ in Betrieb genommen. Einen höheren Verschleiß, der zu mehr Ausfällen führt, können wir nicht beobachten, obwohl das von Laien gerne behauptet wird.

Nachwuchs erwarten wir in der neuen Station „Güterplatz“, die im Zuge der Verlängerung der Linie U5 ins Europaviertel entstehen wird – der erste unterirdische Neubau seit Eröffnung der „D I-Strecke“ Hauptbahnhof – Bockenheimer Warte mit der Station „Messe / Festhalle“, die im Februar 2001 in Betrieb ging.

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Fahrtreppen-Erneuerung

Die VGF unterhält ein umfangreiches Programm zur Erneuerung ihrer Fahrtreppen. In diesem Jahr stehen neun Anlagen auf dem Zettel:

  • vier in der Station „Südbahnhof“,
  • zwei in der Station „Seckbacher Landstraße“ und
  • drei in der Station „Westend“,

die überdies auch auf dem Aufzugs-Nachrüstungsprogramm steht, da hier bis jetzt kein barrierefreier Zugang besteht.

Die Investitionen werden sich 2016 auf ca. 2,8 Millionen € belaufen. Denn: Eine Erneuerung einer Fahrtreppe liegt zwischen 220.000 € und 400.000 €, je nach Förderhöhe sowie Lage und Ausstattung der Fahrtreppe, die es nicht „von der Stange“ zu kaufen gibt.

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Fahrtreppenaustausch Willy-Brandt-Platz 2011 (Foto: Frank Nagel)

 Gründe für Störungen

Mit Fahrtreppen ist es in der Regel wie mit Kopfschmerzen: erst wenn man sie hat, weiß man den Normalzustand zu schätzen. Oder, um es auf die Fahrtreppe zu beziehen: erst wenn sie steht, bemerkt man, daß sie sonst immer funktioniert und wie bequem ihre Nutzung ist.

Bei der VGF arbeiten 18 gewerbliche Mitarbeiter im Geschäftsbereich „Infrastruktur“ an Wartung, Instandsetzung und Störungsbeseitigung der Treppen, um den „Normalzustand“ zu gewährleisten. Grundsätzlich können die Kollegen alle Arbeiten selber erledigen, in Einzelfällen – etwa bei aufwendigen Getriebeschäden – greifen wir aber auf Dienstleister zurück, da diese schneller auf unvorhergesehene Probleme reagieren können, was wiederum einer zügigen Wiederverfügbarkeit und damit unseren Fahrgästen zu Gute kommt.

Eine 100%-tige Einsatzgarantie können wir nicht geben – die technische Einrichtung, die 24 Stunden am Tag und das an 365 Tagen im Jahr funktioniert, gibt es nicht. Bei der VGF liegt die Verfügbarkeit der Fahrtreppen aber immerhin bei 97,5%. Ausfälle oder Stillstand kommen also vor; zum Teil sind sie nur von kurzer Dauer, manchmal aber auch länger, was für Kunden und VGF gleichermaßen ärgerlich ist.

Häufig werden Störungen durch äußere Einflüsse verursacht: ein fehlbetätigter Nothalt zum Beispiel. Oder ein Fremdkörper – im Winter kann das ein Split-Steinchen sein – verklemmt sich zwischen der sich bewegenden Fahrtreppenstufe und dem fest stehenden Stufenkamm. Je nach Wetterlage – besonders bei Kälte – kann der geregelte Vortrieb des Gummi-Handlaufs nicht funktionieren, falls er nicht synchron zum Stufenband läuft, schaltet sich die Treppe ab, denn dann besteht Sturzgefahr, da sich Kunden in der Regel genau darauf verlassen.

Fahrtreppenaustausch Hauptbahnhof 2011 (Foto: Frank Nagel)
Fahrtreppenaustausch Hauptbahnhof 2011 (Foto: Frank Nagel)

Auch das Alter der Anlagen spielt bei Störungen eine Rolle, denn Fahrtreppen sind eben auch nur Menschen. Die Statistik ist eindeutig: ältere Mitarbeiter werden nicht häufiger krank als jüngere, aber wenn sie es tun, ist die Krankheit oft schlimmer, die Rekonvaleszenz langwieriger. In diesem Zusammenhang stellt sich wie bei allen technischen Einrichtungen, die ein bestimmtes Alter erreichen, die Frage, ob das Glas halbvoll ist oder halbleer? Ist alles prima, solange die „Dinger“ laufen, schließlich muß man funktionierende Anlagen nicht grundlos auseinander nehmen, oder betreibt man diese Fahrtreppen letztlich auf Verschleiß und mit dem Risiko, ständiger Ausfälle und kostenintensiver Instandsetzungen?

Altanlagen – siehe Höhenstraße – können 30 Jahre und länger betrieben werden, auch wenn ihre technische Lebensdauer eigentlich zwischen zehn und 20 Jahren liegt. Im fortgeschrittenen Fahrtreppenalter sind unvorhergesehene Schäden trotz guter Pflege, intensiver Wartung und regelmäßiger Instandhaltung aber vorprogrammiert. Dann sind oft keine Ersatzteile mehr auf dem Markt, wofür der Getriebeschaden an der seit fast einem Jahr stehenden Fahrtreppe an der Station „Bornheim Mitte“ beispielhaft ist. Eine Reparatur war hier nicht mehr möglich, so daß eine komplett neue Anlage nötig wurde. Diese muß aber europaweit ausgeschrieben werden – mit dem vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Vergabeverfahren, der zeitintensiven internen Abläufe und der notwendigen Planungs- und Realisierungsdauer beim Hersteller. Ein Austausch innerhalb weniger Wochen ist so unmöglich. Folge: Nachdem der Schaden im Mai 2015 auftrat, soll die neue Treppe jetzt am 22. April zur Verfügung stehen. Leider alles normal, für Fahrgäste aber unangenehm und unverständlich, wenn die Zusammenhänge nicht bekannt sind.

Eine Chance zur Verbesserung läge in der Beschleunigung des Fahrtreppen-Erneuerungsprogramms. Weniger kryptisch: es müßte mehr Geld für den Austausch von Anlagen zur Verfügung stehen. Das ist aber nicht nur eine unternehmerische Entscheidung, sondern hat auch eine politische Dimension, denn Investitionsbedarf gibt es im Frankfurter ÖPNV auch an anderen Stellen: zum Beispiel bei Austausch und Nachrüstung von Aufzügen oder dem barrierefreien Umbau von Stationen und Haltestellen. Zwar wäre ein schnellerer Austausch der Treppen sinnvoll und machbar, aber alle Investitionen gleichzeitig zu tätigen, ist nicht möglich. Zur zeitlichen Streckung des Austauschprogramms gibt es, den genannten Problemen zum Trotz, angesichts der genannten sechsstelligen Summe pro Anlage leider keine Alternative.

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„Vandalismus“

Auch mutwillige Zerstörung kommt vor und führt zu ärgerlichem Stillstand: abgerissene Nothalte, eingetretene Balustraden-Bleche oder eingedrückte Beleuchtungs-Signaleinrichtungen.

Verhindern läßt sich so etwas kaum, höchstens durch intensivere „Sicherheitsmaßnahmen“, mit anderen Worten: eine stärkere Überwachung der Anlagen und Stationen durch Personal und Technik. Was auch nicht jedem recht ist, fühlt sich mancher doch schon jetzt durch die von der VGF eingesetzten Überwachungskameras wie im Polizeistaat.

So unangenehm diese Störungen sind, materiell bleiben „Vandalismusschäden“ im überschaubaren Rahmen:

2013: 18.600€
2014: 12.350€
2015: 11.600€.

Kommunikation von Ausfällen

Viel schlimmer ist der Ausfall der Anlagen für Fahrgäste, die aus unterschiedlichen Gründen auf diese Fahrtreppen angewiesen sind und für die Steintreppen erhebliche Hindernisse darstellen. Da wäre es gut, vor Fahrtantritt zu wissen, wo aktuell welche Anlage gestört ist oder eben zur Verfügung steht. Jede Störung, dauere sie auch nur 30 Minuten, aktuell und unter allen Umständen zutreffend – also quasi in Echtzeit, alles andere ergäbe keinen Sinn – zu melden, ist zurzeit leider nicht möglich. Die VGF meldet auf ihrer Homepage

www.vgf-ffm.de

die vorliegenden Störungen von Fahrtreppen und Aufzügen, wenn es sich um geplante und planbare Arbeiten handelt oder der Ausfall – wie in Bornheim Mitte – länger als drei Tage dauert. Die aktuelle Liste findet sich unter

https://www.vgf-ffm.de/de/fahrgastinfo/barrierefreies-reisen/weitere-informationen/

auf der Internetseite.

Fahr- oder Rolltreppe?

Und das bringt uns zur Ausgangsfrage zurück, dem Unterschied zwischen einer Roll- und einer Fahrtreppe. Ganz einfach: es gibt keinen. Die Begriffe werden synonym verwendet, wie auch die ThyssenKrupp Elevator AG in Essen, einer der großen deutschen Hersteller, auf Nachfrage bestätigt. Allerdings wird dort der Begriff „Fahrtreppe“ bevorzugt. Auch im zuständigen Fachbereich bei der VGF ist von „Fahrtreppen“ die Rede, während Kunden eher der Meinung sind, sie würden eine „Rolltreppe“ nutzen. Tun sie auch, denn wie die Anlagen genannt werden, ist offensichtlich gleichgültig. So lange jeder dasselbe darunter versteht und die Treppe, die man gerade nutzen möchte, auch funktioniert.

 

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2 Kommentare

  1. Eine schöne Ausarbeitung zu diesem Thema, vielen Dank. Immerhin gehören diese Fahrtreppen zum Stadtbild untrennbar dazu. Die angegebene Quote von 97,5 Prozent Funktionsfähigkeit finde ich etwas zu hoch (und trifft zumindest für Ostendstraße nicht zu).

    1. Die Zahl kommt aus dem zuständigen Fachbereich. Und die Station „Ostendstraße“? Die gehört der DB. 🙂 Aber im Prinzip haben die Kollegen ja dieselben Probleme. *bec.

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